Dagmar Leupold

Eden Plaza

Roman
Cover: Eden Plaza
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406493133
Gebunden, 176 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Eine Geschichte wie aus Tausendundeiner Nacht: Ein Paar in einem Hotel, sich liebend, redend, ineinander verschlungen, neugierig, gierig: Es ist ein heimliches Treffen, die Zeit ist knapp, es gibt viel zu erzählen, ein ganzes Leben. Die Erzählerin spricht zu ihrem Geliebten, ihrem "König". Sie folgt Erinnerungen und Einfällen, lässt Stationen ihres Lebens, ihrer Ehe Revue passieren, findet Bilder, deutet die Szenen, klug und leidenschaftlich zugleich. Das Leben mit ihrem Mann und den Kindern, die allmähliche Entfremdung, die Ehe, die trotz des guten Willens der Liebenden zu Ende geht, werden plastisch und präzise, komisch und traurig dargestellt, assoziativ, mäandernd, während die Liebe im Hotel weitergeht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2003

Gerhard Schulz ist enttäuscht von dem vierten Roman der Autorin. Die Gefühle und Gedanken über ihre gescheiterte Ehe mit dem italienischen Chemiker, die die namenlose Protagonistin ihrem Berliner Liebhaber in einem Hotel erzählt, ist nicht recht "originell" und auch nicht besonders "spannend" zu lesen, beschwert sich der Rezensent. Immerhin gesteht er Leupold die Fähigkeit zu, in "fein ziselierten Beobachtungspassagen" den Niedergang einer Ehe nachzuzeichnen, und vor allem die fortschreitende Entfremdung zwischen den Partnern findet er genau und "feinfühlig" dargestellt. Was den Rezensenten aber an diesem Roman richtig stört, ist der Hang der Autorin zu "bildungsgespickten" Kommentaren und ihre Verwendung "angestrengter Metaphern". Der Versuch Leupolds, durch literarische Bezüge der "Ehemalaise Transzendenz zu verleihen", scheitert nach Ansicht des Rezensenten an der Bodenständigkeit der Problematik. Zu "klassischer Höhe" lasse sich der Roman so nicht führen, meint Schulz entschieden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2002

Hans-Ulrich Treichel meint, das Buch, das von der scheiternden Ehe zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem italienischen Ehemann erzählt, wäre "traurig, ja ziemlich deprimierend", wenn die Autorin nicht einen doppelten Erzählrahmen darum gelegt hätte, der Distanz schaffe. Treichel vermutet, dass dies schon allein aus Schutz vor "Selbstverletzung" für Leupold nötig war und er registriert genau die zunehmende "Kühle" in dem Verlauf des Buches, die er allerdings nicht mit "Kälte verwechselt" sehen möchte. Den wachsenden "Widerwillen" mit dem die Erzählerin die stete "Gewichtszunahme" ihres Mannes bemerkt, gehört für den Rezensenten zu den "bedrückendsten Momenten" dieses Textes, zumal er als Grund des Scheiterns für die Ehe bezeichnender Weise "ausgehungerte Liebe" diagnostiziert. Er betont, dass die Autorin in dem trockenen, distanzierten Ton ihres Buches niemals "pathetisch" wird, und er offenbart, dass ihm die geschilderte "Illusionslosigkeit" zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Mann "an die Nieren" gegangen ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Auf den ersten Blick, so Rezensent Ulrich Rüdenauer, mag der vierte Roman der Dichterin Dagmar Leupold wirken wie die typische "Verständigungsliteratur" der achtziger Jahre, die er als "hochreflexiv", "intertextuell" und zugleich "angestrengt" wie "poetisch" charakterisiert. Doch rät Rüdenauer dem Leser, das Buch nicht zu schnell zuzuklappen. Denn genau besehen zeichne die Sprache Leupolds etwas "Besonderes" und "Ambivalentes" aus. Sowohl Intimität als auch Distanz werde hier zugelassen. Im Inhalt geht es um das "Spannungsfeld zwischen Mann und Frau" oder den "Beziehungskampf", so Rüdenauer. Den habe Leupold sehr "präzise" beobachtet und beschreibe ihn in einer Melange aus "poetischer Dringlichkeit, lakonischer Nüchternheit und gelehrter Sprödigkeit". Auch wenn unser Rezensent die "mikroskopischen Beobachtungen" der Autorin teils wagemutig, teils gefährlich und teils faszinierend findet, schlittere sie doch immer wieder knapp am Kitsch vorbei. Das allerdings, lobt Rüdenauer, mit Erfolg.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Ziemlich lang und ausschweifend erzählt Reinhard Baumgart von diesem Buch, das er am Ende nur einen "kleinen Roman" nennt: fasziniert von den Ausschweifungen einer heimlichen Liebe in Hotelzimmern, eher gelangweilt von den sie begleitenden poetischen Ergüssen, und viel interessierter an der darüber verloren gehenden Ehe, ihrer "Unglücksspur", der kühlen Prosa des Alltags. Das ist es überhaupt, was Baumgart vor allem hier umtreibt: wie sich die Autorin auf dem "Hochseil zwischen Schreiben und Leben" bewegt, wie sie in diesem "kunstvoll arrangierten" Doppelportrait "Erinnern und Vergessen" nebeneinander stellt, wie das Erinnern "Ordnung, Bilder, Sinn" erzeugt, das Vergessen dagegen - vorzugsweise in den Armen des "Hotelliebhabers" - "die reine, schiere Anarchie" will. Und diese Selbstreflektion des Romans, wiederkehrend in einem Gemälde von Apollo und Daphne, in dem die mythische Verfolgte zum Lorbeerbaum wird, "halb gewachsen, halb gemacht", ist für den Rezensenten die "poetologische" Formel, die im Roman selbst eingelöst wird. Dennoch bleibt einem komischerweise der Eindruck, dass vor allem der Voyeurismus des Lesers bedient wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2002

Kristina Maidt-Zinke hält Dagmar Leupold eigentlich für eine wirklich gute Autorin, die zu "graziösen Denkpirouetten" fähig sei. Doch gerade dieser Hang zu "Anspielungen, Verweisen und Klügeleien" wird Leupold in ihrem neuen Werk zum Verhängnis, bedauert die Kritikerin. Die belesene Autorin gibt dem Buch zwar mit ihrem "hochgestimmten Ton" und dem "nimmermüden Drang nach Deutung und Durchleuchtung des Erlebten" ihren eigenen unverwechselbaren Anstrich. Die Geschichte um die heimlichen Treffen einer jungen klugen Frau und ihres Liebhabers verliere sich jedoch immer mehr in intellektuell sicher anspruchsvollen Reflexionen der Protagonistin über alles und jeden. Und dabei bleibt laut Maidt-Zinke die ganz simple "Poesie des Lebens und Liebens" auf der Strecke.
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