Dagmar Leupold

Die Helligkeit der Nacht

Roman
Cover: Die Helligkeit der Nacht
C. H. Beck Verlag, München 2009
ISBN 9783406590719
Gebunden, 206 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Die Toten sind nicht tot, am allerwenigsten in der Literatur, und sie selbst hat etwas Geisterhaftes, Nächtliches, aber in einem liebevollen Sinne: Zärtlich beobachtet sie das Leben, wenn auch aus der Ferne. Und da ist es nur zwingend, wenn in Dagmar Leupolds neuem Roman ein Toter spricht, wie zuletzt etwa auch in Romanen von Sibylle Lewitscharoff, Philip Roth oder Uwe Timm. Hier ist es Heinrich von Kleist, der über die Jahrhunderte hinweg einer Frau luftige Briefe der Zuneigung schickt oder geisterhafte Aufzeichnungen macht - ein Journal der Zuwendung und Fragen, der Meditationen und Beobachtungen, kreisend um Themen der Literatur und Radikalität, der Geschichte und ihren Hoffnungen, der Unbedingtheit und ihrer Abgründe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.04.2010

Als "Ereignis" und "waghalsigen literarischen Akt" bezeichnet Jan Bürger diesen Roman, der aus seiner Sicht dem totgeglaubten Genre des Briefromans geradezu die Wiederbelebung bescherte. Und der die Geister von Heinrich von Kleist und Ulrike Meinhof beschwört - in geisterhaften Briefen, die ein Erzähler 2008 unter dem Namen Kleist aus dem Jenseits schreibt und in denen der Wunsch des toten Kleist, der toten Meinhof einmal zu begegnen, zur Obsession wird. Doch die Adressatin, die den gleichen Vornamen wie Kleists Schwester Ulrike hat, schweigt. Dagmar Leupold lasse, ganz im Sinne Walter Benjamins, zwei Mythen kollidieren. Das Verdienst dieses Buchs liegt für den Kritiker neben seiner großen literarischen Qualität in der Tatsache, dass es den posthumen Kleist zu einem Wesen des 21. Jahrhunderts macht, ohne seine Sprache dem Ton des Alltags anzupassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2010

Martin Halter empfiehlt diesen Roman für den Kleist-Preis. Das ist ein Witz. Mit seiner Sympathie für dieses von Dagmar Leupold protokollierte Totengespräch zwischen Kleist und der Meinhof ist es ihm allerdings ernst. Auch wenn Halter die Korrespondenz etwas ungleichmäßig verteilt erscheint (Kleist idealisiert und schwärmt, Meinhof antwortet sporadisch): Was der Dichter der Penthesilea beobachtet und der Angebeteten nach Stammheim berichtet, über Katzen, Passanten, Laubenpieper, Obama in Berlin, erscheint ihm manchmal zart impressionistisch oder dunkel reflektiert. Dass es deutlich die Autorin ist, die hier, fein ziseliert, spricht, findet Halter okay. Etwas weniger prätentiös und hoch im Ton wäre es ihm aber noch lieber gewesen. Der Mehrwert des politisch-literarischen Gedankenspiels, erklärt er, ist nämlich eher gering.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2009

Nachdem Angelika Overath angesichts Dagmar Leupolds gewagter Romankonstruktion zunächst fast erschrocken wirkt, lässt sie sich doch bereitwillig darauf ein und ist fasziniert. Im Buch begegnen sich Heinrich von Kleist und Ulrike Meinhof im Frühjahr 2008, und Kleist hält seine Gedanken und ihre Gespräche in einem fiktiven Tagebuch fest, erklärt uns die Rezensentin. Dabei wird nicht nur das Thema Gewalt in ihren Begegnungen beleuchtet, von Anfang an schafft die Autorin, indem sie die beiden historischen Figuren überblendet, auch ein Bild des Autors selbst. Denn indem sich der Schriftsteller über das "religiöse Bilderverbot" hinwegsetze, schaffe er sich quasi gewalttätig sein eigenes Bild, meint die Rezensentin. Diese Gewalttat aber ist im Idealfall durch die "Gnade der Anmut gesühnt", und nichts weniger scheint in Leupolds Roman der Fall zu sein, wie Overath durchblicken lässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.12.2009

Rezensentin Insa Wilke ist gehörig enttäuscht von der Umsetzung von Dagmar Leupolds Idee, Heinrich von Kleist und Ulrike Meinhof miteinander in einen Dialog treten zu lassen. Das ambitionierte Konzept - "Sehr viel Gewicht auf den Schultern der Autorin!", findet Wilke - bringe eine gewaltige Fallhöhe mit sich. Und nach Ansicht der Rezensentin kommt Leupold auch ganz schön ins Trudeln. Besonders mit der Ausarbeitung der Figur Kleist ist die Rezensentin nicht zufrieden, ihr fehlt der "Radikaldramatiker". Zudem vermisst sie einen wirklich originellen Gedanken. Leupold hat Wilkes Meinung nach zwar ihre Hausaufgaben gemacht, aber nichts Eigenes daraus gestaltet: "Alles wird zitiert, aber nichts ausgeleuchtet, nirgends entsteht Reibung."
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