Curzio Malaparte

Kaputt

Roman
Cover: Kaputt
Zsolnay Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552053342
Gebunden, 589 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen übersetzt von Hellmut Ludwig. Mit einem Nachwort von Lothar Müller und einer Zeittafel von Ralph Jentsch. Curzio Malaparte, 1898 als Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter geboren, war eine der schillerndsten Gestalten seiner Zeit. Ein Pendler zwischen Futurismus und Faschismus, Kommunismus und Katholizismus, Salons und Schlachtfeldern. Aus den Reportagen, die er im Zweiten Weltkrieg von den Fronten für den "Corriere della Sera" schrieb, entstand 1944 der Roman "Kaputt", der in der Nachkriegszeit zu einem enormen Erfolg und gleichzeitig zu einem großen Skandal wurde. "Kaputt" ist eines der großen Antikriegsbücher des 20. Jahrhunderts, ein monströses Panorama über die Welt der Pogrome und Partisanenkämpfe von Finnland bis zum Balkan.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.08.2005

Klaus Harpprecht liest nach einem halben Jahrhundert Curzio Malapartes "Kaputt" aus dem Jahre 1944 wieder. Und? Damals empfand er Grauen, Bewunderung, Ekel und "mäßiges Amüsement"; heute ist davon nichts als Zorn geblieben. Er stampft Malaparte geradezu ein, diesen Snob, diesen Hochstapler, der sich der Bekanntschaft aller gekrönten Häupter seiner Zeit rühmte, ohne dabei hohe Nazischergen auszunehmen; Es wäre ja möglich, räumt er ein, aus all diesem abgeschmackten Zeug, diesem ständigen Wechsel des ästhetisch Sanften mit dem frontschweinlerisch Derben, mit dieser "unbekümmerten Mixtur von Reportage, Essay und Fiktion", die "Kaputt" darstellt, Kunst zu schaffen - natürlich. Statt dessen aber komme bei Malaparte das Erbärmlichste heraus: Kitsch. Und damit stellt dieses sich im Grausigsten gefallende Machwerk nichts anderes dar als eine einzige "Respektlosigkeit vor den Opfern" der Gräueltaten der Nazis: "Grenzen- und ruchlose Verkitschtheit"! Nur zwei Momente der Neuausgabe finden Gnade vor Harpprechts zornfunkelnden Augen: Da ist zum einen Lothar Müllers Nachwort mit seinen "tausend köstlichen Informationen". Und zum anderen gibt es diese eine kluge Einsicht, die Malaparte, wie Harpprecht meint, eher unterläuft denn gelingt: dass nämlich "der Terror des Nazismus seine Wurzel in der Angst hatte".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2005

Trotz Curzio Malapartes weltanschaulicher Ambivalenz und trotz seines eitlen Sensationalismus: "Die Wiederentdeckung", schreibt Maike Albath, "lohnt sich". "Kaputt" erschien zuerst 1952 in deutscher Übersetzung, war aber lange vergriffen, und liegt jetzt ergänzt um ein laut Rezensentin "sehr informatives" Nachwort wieder vor. Malaparte, erfährt man, war ein launischer und elitärer Dandy, der einerseits die Größen des (italienischen) Faschismus publizistisch entlarvte, andererseits bei ihnen ein und aus ging und ein Günstling von Mussolinis Schwiegersohn war. Das vorliegende Buch ist eigentlich eine Verdichtung von Kriegsreportagen, die Malaparte von 1940 bis 1942 für eine Zeitung verfasste; die Prosa ist ebenso kritisch wie drastisch ästhetisierend - ein "schrilles Kriegsgemälde", das sich ganz auf die Wirkung grauenhafter Gegensätze verlässt: So wird ein "stilvolles Diner in den Gemächern des Generalgouverneurs von Polen" mit der Beschreibung eines Pogroms durchsetzt, "die der Held und Ich-Erzähler beim Gänsebraten zum Besten gibt". Fazit: "Malapartes Montagetechnik, seine Neigung zur Kolportage, der kalte Realismus und seine Schockästhetik mögen effekthascherisch sein. Aber sie bringen das Ausmaß der Verheerungen und die monströse Psyche der deutschen Machthaber zum Ausdruck."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.04.2005

Rätselhafte Neuauflage des schlechten Buchs eines Faschisten, der sich reinwaschen wollte, als der Ausgang des Zweiten Weltkriegs schon absehbar war: Yaak Karsunke charakterisiert das Buch von Curzio Malaparte als "Rechtfertigungsschrift eines Mitläufers" und fragt sich, was den Verlag bewegt hat, es, versehen mit einem "weitgehend apologetischen Nachwort", neu herauszubringen. Es gibt nichts zu entschuldigen, findet Karsunke. Malaparte war einer der ersten, die in Mussolinis Partei eintraten und blieb während dessen Herrschaft ein Günstling der Mächtigen, wenn er auch gelegentlich von ihnen in seine Schranken gewiesen wurde. Und was hier als Roman durchgehen soll, sind zusammengepappte Kriegsreportagen, die sich kaum um Genauigkeit scheren, dafür aber immer ein und dieselbe Hauptfigur haben: Curzio Malaparte, wie er sich provokativ den Nazi-Größen entgegenstellt. Nur, dass zum Zeitpunkt der Niederschrift der Sieg der Achsenmächte schon mit Händen zu greifen war und Malaparte gleichzeitig andere Herrscher hochleben lässt, um sich seine Zukunft zu sichern. Und der Stil? "Imponier-Ästhetizismus", schreibt Karsunke: "Unfähig, wirklich treffende Bilder und Wendungen zu finden, stopft Malaparte seine Sätze mit schmückenden Beiwörtern aus, bis sie den von Nippes überquellenden Salons des späten 19. Jahrhunderts gleichen." Und so spaziert er dann auch hochtrabend durchs Warschauer Ghetto, an seiner Seite einen SS-Mann. Fazit: "Kaputt ist ein eitles, geschwätziges Buch, das den Rassismus und Zynismus seines Verfassers nur unvollkommen mit Klatsch, Anekdoten und detailliert ausgemalten Kriegsgräueln kaschiert."
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