Corinna Soria

Briefe nach Welfare Island

Lyrik von 1985-1999
Alekto Verlag, Klagenfurt 2001
ISBN 9783900743765
Unbekannt, 116 Seiten, 10,23 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2001

Hans-Peter Kunisch bespricht zwei Werke der Romanistin, die unter dem Pseudonym Corinna Soria veröffentlicht. Man muss schon beide Werke lesen, meint der Rezensent, um die Autorin besser zu verstehen. Denn das eine sei ihr Leben früher, das andere ihr Leben jetzt.
1) Corinna Soria: "Leben zwischen den Seiten"
Geschichten über unglückliche Kindheiten in der österreichischen Provinz gibt es eigentlich genug, meint Kunisch. Aber Sorias Geschichte ist für den Rezensenten unverwechselbar. Denn sie hat keine "klassisch lamentierende Kinder-Leidensgeschichte" verfasst, sondern die autobiografisch angelegte Geschichte der Beziehung zwischen einer an Schizophrenie erkrankten Mutter und ihrer Tochter, die zum Schutzschild der Mutter gegen die bedrohliche Welt wird. Sehr geschickt verstehe es die Autorin, die Perspektiven zu wechseln. Mal erzählt die Tochter als Kind, mal rückblickend als Erwachsene. Der "schillernd pathetischen Sprache" wird so immer wieder eine überraschende Beweglichkeit verliehen, denkt der Rezensent. Das Debüt der 1962 in Salzburg geborenen Autorin hat Kunisch überrascht. Ihn beeindruckt vor allem die Sprache, mit der Soria versuche, zum Geschehenen Distanz zu finden.
2) Corinna Soria: "Briefe nach Welfare Island. Lyrik von 1985 bis 1995"
Mit einen Teil ihrer Gedichte ist Soria in eine alte Sprache eingetaucht und hat so Erstaunliches hervorgebracht, findet Kunisch und denkt dabei an den "kühlen Pathos" von Ingeborg Bachmann. So ganz will er aber Soria nicht mit Bachmann vergleichen. Ihr Pseudonym Soria sei vielmehr eine Hommage an den spanischen Dichter António Máchado, der lange Zeit in der Provinzstadt Soria gelebt hatte, informiert der Rezensent. Besonders gut hat ihm das erste Gedicht des Bandes gefallen, eine Liebeserklärung an den Emigranten Albert Ehrenstein. Ein Text voller "rhythmisierter Brüche", den Kunisch aber in sich so schlüssig findet, als habe man ihn nur so schreiben können.
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