Jacques-Louis David und die Inszenierung des Politischen - eine Kulturgeschichte der Französischen Revolution im Spiegel seiner Malerei
Königshausen und Neumann Verlag, Würzburg 2026
ISBN
9783826097287 Kartoniert, 206 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Jacques-Louis David gilt als Vater der modernen Malerei in Frankreich, ja als revolutionärer Erneuerer der Künste im Land der Großen Revolution. Mit solchen und ähnlichen hymnischen Bezeichnungen pries ihn unlängst eine große Ausstellung, die zu seinen Ehren und anlässlich seines 200. Todestages Ende Dezember 2025 im Louvre stattfand. In der Tat verdichten sich im vielschichtigen Werk Davids viele ästhetische und politische Strömungen, welche die Zeit zwischen dem Spätabsolutismus des 18. Jahrhunderts und dem Sturz Napoleon Bonapartes nach dessen Niederlage bei Waterloo prägten. In Jacques-Louis Davids Malerei spiegelt sich diese Vielschichtigkeit und manche Widersprüchlichkeit einer Zeit von gut drei Jahrzehnten, welche fünf verschiedene politische Regime hervorbrachte - David diente jedem dieser Regime und bediente deren jeweiliges Repräsentationsbedürfnis, um dem Volk zu suggerieren, dass sich in dieser Politik gerade dieses Regimes - und nur in ihm - das Genie der Freiheit verkörpere. Davids Malerei ist indes mehr als nur Spiegel dieser Zeit - denn ein Bild wie "Der Tod des Marat", das manchen als jakobinische Pietà gilt, aber auch "Der Horatierschwur" oder "Napoleon am Großen St. Bernard" prägen bis heute die Wahrnehmung dieser Epoche. Die scheinbar makellose Ästhetik der Bilder Jacques-Louis Davids nimmt die virtuellen Scheinwelten vorweg, in die sich Betrachter:innen seiner Bilder bis heute gerne flüchten, wenn die Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit der Welt sie verstört.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2026
Clemens Klünemann hat einen bereichernden Essay über das Verhältnis von Bildern und Ideologien verfasst, findet Rezensent Bernd Stiegler. Der Honorarprofessor für Kulturmanagement Klünemann beschäftigt sich zu diesem Zweck mit dem Werk des Künstlers Jacques-Louis David, entlang dessen er eine kulturgeschichtliche Betrachtung der französischen Revolution verfassen möchte. Das ist, wendet der Literaturwissenschaftler Stiegler ein, vielleicht etwas hoch gegriffen, vor allem da Klünemann sich nicht mit Davids gesamtem Wirken beschäftigt, das unter anderem die Konzeption von Akademien und Museen umfasst. Stattdessen schreibt der Autor ausschließlich über Davids Bilder und nimmt dabei nicht nur die eigentliche Revolution, sondern einen Zeitraum von den 1770er bis in die 1820er Jahre in den Blick. Die Analyse von Arbeiten wie dem "Ballhausschwur" und dem "Tod des Marat" ist dann freilich lesenswert - weil Klünemann aufzeigt, dass sich diese Bilder zwar ganz klar politischen Agenden und Ideen andienen, gleichzeitig aber auf vielfältige Art lesbar bleiben. Das ähnelt dem Vorgehen Klünemanns, meint Stiegler, der ebenfalls erst den Bildern eine klare Botschaft unterstellt, "sie dann jedoch in seinen Interpretationen Bild für Bild unterläuft". Genau dieses Ineinander von Ein- und Vieldeutigkeit ist, so der angetane Rezensent, der Mechanismus von Bildpolitik.
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