Claire Tristram

Passion

Roman
Cover: Passion
Aufbau Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783351030285
Gebunden, 170 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Verena von Koskull. Die Frau ist namenlos. Die Zeit unbestimmt. Der Ort ein Motel irgendwo in Kalifornien. Sie ist Witwe, ein Jahr zuvor ist ihr Mann durch islamische Extremisten zu Tode gekommen. Sie hat beschlossen, einen Moslem als Liebhaber zu nehmen. Er ist höflich, besorgt, verständnisvoll und verständlich nervös. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Sie hatte keinen Liebhaber seit dem Tod ihres Mannes. Claire Tristram beschreibt eine Beziehung, die hocherotisch, voller Selbsthass und Trauer und gefährlich nah an der Gewalt ist. Und sie formuliert Fragen, die unausweichlich sind: Wie beeinflusst Schmerz das Verlangen? Wie vergiftet Vorurteil den Glauben? Wie liebt man, nachdem die Liebe des Lebens ermordet worden ist? Können wir uns von unserer Vergangenheit reinigen, oder sind wir Schuldzuweisungen und Rache ausgeliefert?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2004

Thomas Meissner findet den deutschen Titel "nichtssagend" und reduktiv (das Original heißt "After"), ist aber ansonsten ziemlich beeindruckt von Claire Tristrams Romandebüt. Es schildert eine Affäre, die zugleich ein Kampf ist: zwischen einem Muslim und einer früheren Katholikin, deren jüdischer Mann Opfer eines islamischen Terroristen wurde - ein Kampf zwischen den Geschlechtern, zwischen den Kulturen, "after" 9/11. Meissner lobt, wie die Autorin die seelischen Bewegungen der beiden erlebbar macht, wie sie ihre "Fremdheit" in der wechselnden inneren Perspektive zum Ausdruck bringt. Beide Protagonisten haben die Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis in sich eingeschlossen und tragen sie in die Beziehung hinein. Sexuelle Obsessionen spielen eine gewichtige Rolle, sind aber bei weitem nicht alles, findet der Rezensent. Und wie gut, dass die Begegnung nicht in befreiende, aber falsche Katharsis mündet.