Christopher J. Preston

Sind wir noch zu retten?

Wie wir mit neuen Technologien die Natur verändern können

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel. Mit 40 Schwarzweiß-Abbildungen. Nanotechnologie, synthetische Biologie, Wiedererweckung ausgestorbener Arten und Geoengineering - werden Menschen die Natur in Zukunft mit solchen Methoden grundlegend umgestalten? Man könnte es sich vorstellen. Auf der Erde gibt es keinen von Menschen unberührten Ort mehr - das hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber die Bedeutung dieser Tatsache erschöpft sich nicht in Statistiken, die Gletscherschmelze und Artensterben dokumentieren. Vielmehr kennzeichnet sie den Beginn einer neuen Epoche der Erdgeschichte. Und das Auffälligste an diesem Synthetischen Zeitalter, so Christopher Preston, sind nicht nur die Auswirkungen des Menschen als solche, sondern die Veränderungen, die wir von nun an gezielt und absichtlich herbeiführen werden. Neue Technologien werden uns die Macht verleihen, viele grundlegende Abläufe der Natur selbst in die Hand zu nehmen. Damit verlassen wir nicht nur das Holozän und treten ins Anthropozän ein; wir lassen auch eine Zeit hinter uns, in der globaler Wandel nicht nur die unbeabsichtigte Folge einer ungezügelten Industrialisierung ist. Mit einer von Ingenieuren und Technikern gestalteten Welt beginnt das erste Synthetische Zeitalter unseres Planeten.

Preston beschreibt eine Reihe von Technologien, die den "Stoffwechsel" der Erde umgestalten werden: Nanotechnologie gibt den natürlichen Formen der Materie eine neue Struktur; "molekulare Produktion" eröffnet unzählige neue Anwendungsmöglichkeiten; synthetische Biologie erlaubt es uns, Genome nicht nur zu lesen, sondern auch aufzubauen; "biologische Mini-Maschinen" überflügeln die Evolution; Arten werden umgesiedelt und wieder zum Leben erweckt; und mit Geoengineering kann man die Sonnenstrahlung mit Vulkandunst abschirmen, die Temperaturen auf der Erde durch hellere Wolken senken und mit künstlichen Bäumen, die Kohlenstoff aus Wind gewinnen, das CO2 aus der Atmosphäre beseitigen.

Was bedeutet es, wenn Menschen  die Erde nicht nur verwalten, sondern auch grundlegend umgestalten? Und wem sollten wir vertrauen, wenn es darum geht, über die Umrisse unserer synthetischen Zukunft zu entscheiden? Solche Fragen sind zu wichtig, als dass man sie den Ingenieuren überlassen sollte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019

Joachim Müller-Jung findet Christopher J. Prestons Vorstellung vom "Plastozän", eines vollkommen vom Menschen verwalteten Planeten, gar nicht so abwegig, wenngleich er sie für eine eher langfristige Idee hält. Die dafür notwendigen Technologien sind längst in Planung, ahnt der Rezensent. Seine Utopie, die nicht auf Rettung setzt, sondern auf eine technische Lösung der Umweltprobleme, kann der Technikphilosoph laut Müller-Jung sogar als schöpferische Epoche und Ende der "ökologischen Unmündigkeit" verkaufen: Endlich Emissionen, soviel wir wollen! Von der natürlichen Umwelt bleibt allerdings nichts mehr übrig, wenn die Technosphäre erst die Biosphäre dominiert, gibt der Rezensent zu bedenken.
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