Aus dem Englischen von Kathrin Passig und Gerhard Henschel. Ein melancholischer Abgesang auf eine verlorene Welt: Kosmopolitisch, libertin, glamourös und dekadent - mit fotografischer Präzision erfasst Christopher Isherwood die letzten Tage der Weimarer Republik in Berlin und zeichnet unvergessliche Porträts der Menschen, die seinen Weg kreuzen und unterschiedlicher nicht sein könnten: zwei junge Männer, die in fataler Weise voneinander abhängen, eine vermögende jüdische Familie, die das nahende Unglück nicht wahrhaben will, und zahlreiche Mitglieder der Halbwelt, unter ihnen die hinreißend leichtsinnige Sally Bowles, die in der Literatur ihresgleichen sucht. Im Hintergrund der Szenerie marschieren bereits die Nazis auf. Isherwoods Figuren aber verschließen die Augen vor der drohenden Katastrophe und feiern sich um den Verstand.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.12.2014
Manche Übersetzungen sind wie Neuentdeckungen, jubelt Gustav Seibt, nachdem er Christopher Isherwoods von Kathrin Passig und Gerhard Henschel brillant und treffend ins Deutsche übersetzten Roman "Leb wohl, Berlin" gelesen hat. Der Rezensent begibt sich hier in eine Welt von Barkellnern, Prostituierten, arbeitslosen Proleten, begleitet die nazistische Jodlerin Sally und die bürgerliche, jüdische Familie Landauer und erlebt einmal mehr den Mythos Berlins. In diesem erzählerischen Kaleidoskop entdeckt Seibt zahlreiche ästhetische Anspielungen und bedauert deshalb umso mehr, dass es keinen erklärenden Kommentar gibt.
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