Sympathie und Verehrung für Adolf Reichwein prägen bis heute Rezeption und Forschung. Danach stand der Pädagoge, der bisher dem linken Spektrum der Sozialdemokratie zugerechnet wird, von "Anfang an" konsequent im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die vorliegende Untersuchung bricht mit der Reichwein kanonisierenden Forschung. Sie zeigt, dass sich Adolf Reichwein als nationaler Sozialist 1933 mit der "Grundidee der nationalsozialistischen Bewegung nicht im Konflikt" befand. Sein in der NS-Zeit in einer einklassigen Volksschule durchgeführter Unterricht, der konzeptionell nicht auf ihn zurückzuführen ist, kann weder als singulär noch als "heimlicher Widerstand" angesehen werden. Aufgezeigt wird, wie sich Reichwein im NS-Staat zielgerichtet um die öffentliche Anerkennung seiner pädagogischen Arbeit bemühte und die Zusammenarbeit mit diversen NS-Gliederungen, darunter der SS, nicht scheute.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.06.2007
Die Dissertation von Christine Hohmann über den Widerstandskämpfer und Reformpädagogen Adolf Reichwein bekommt von Hans Mommsen durchweg schlechte Noten. Der Autorin geht es darum, Reichwein als Widerstandskämpfer zu demontieren und ihm politische und gedankliche Nähe zu den Nationalsozialisten nachzuweisen, stellt der Rezensent fest. Er wirft der Studie nicht nur vor, mühsam zu lesen zu sein, sondern er ist auch mit den sachlichen Auslassungen der Autorin alles andere als einverstanden. Mommsen vermisst Einfühlungsvermögen in und "Verständnis" für die Motivationen Reichweins. Für ihn gewinnt die Person des Reformpädagogen keine Kontur und auch dessen pädagogische Arbeit wird seiner Ansicht nach nicht adäquat gewürdigt. Unter Zuhilfenahme zweifelhafter Quellen versuche Hohmann, Reichwein in die Nähe zu nationalsozialistischer Blut-und-Boden-Ideologie zu rücken, empört sich der Rezensent, der diese Arbeit als ungerecht und dem zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer als gänzlich unwürdig geißelt.
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