Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg. Manchmal wünscht sie sich, sie wäre eine englische Pfundmünze: dann würde sich nämlich jeder freuen, sie zu sehen. Little Bee ist 16 Jahre alt und stammt aus Afrika. In ihrer Heimat ist ihr Schreckliches zugestoßen, und seit zwei Jahren lebt sie in einem englischen Abschiebelager für Asylbewerber. Trotz allem ist sie ein Mensch voll Lebensfreude, Witz und Intelligenz. In England kennt sie außerhalb des Lagers nur zwei Menschen: Vor Jahren hat sie in Nigeria das Ehepaar Sarah und Andrew, die im englischen Kingston-upon-Thames ein privilegiertes Leben führen, kennengelernt. Ein furchtbares gemeinsames Erlebnis hat eine tragische Verbindung zwischen ihnen geschaffen. Als Little Bee aus dem Lager entlassen wird, ruft sie bei Sarah und Andrew an. Ein Anruf, der unvorhersehbare Folgen hat: Einige Tage später bringt sich Andrew um. Und kurz darauf steht Little Bee vor Sarahs Tür ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2011
Auf dem Schiff, in dem sie nach England reist, liest das nigerianische Flüchtlingskind Little Bee Charles Dickens' Roman "Große Erwartungen". Weil sie geschnappt und in einem Asyllager interniert wird, liest sie ihn freilich niemals zuende. Aus dem Lager entkommt sie, vertraut sich einem Journalistenehepaar an, dessen Leben daraufhin schwer durcheinanderkommt. Für im wesentlichen sehr gelungen hält der Rezensent Jan Wiele diesen Roman des Guardian-Journalisten Chris Cleave, der mit der schubweisen Enthüllung einer horriblen Vorgeschichte Spannung erzeugt. Besonders die Stimme des Mädchens, das aus Trotz ein geradezu queenhaftes Englisch lernt und schreibt, leuchtet ihm ein. Ein paar allzu ungefiltert essayistisch erscheinende Passagen nimmt er da durchaus in Kauf.
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