Chris Abani

GraceLand

Roman
Cover: GraceLand
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406521799
Gebunden, 451 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Chris Abanis Debütroman erzählt die Geschichte von Elvis Oke, einem Teenager, der im chaotischen, überquellenden und bunten Ghetto Maroko in Lagos, der Hauptstadt Nigerias, sein hartes Leben führt. Von amerikanischen Filmen, Büchern und Musik inspiriert, versucht sich Elvis, die Haut mit Schichten von Make-up weiß geschminkt, als Elvis-Presley-Imitator durchzuschlagen und ein paar Dollars von Touristen zu ergattern - stoisch, unermüdlich zu blechernen Radioklängen übend. Er hat zu kämpfen mit seinem gebrochenen Vater, der Stiefmutter und seinen Stiefgeschwistern und der Gewalt des täglichen Lebens unter einem brutalen Regime. Dann lässt sich Elvis, von ständigen Geldsorgen geplagt, zu einer Reise in Lagos' kriminelle Unterwelt überreden- beschützt vom "König der Bettler", einem rätselhaften und loyalen Freund. Vor dem Zugriff des Staates und der Inhaftierung kann er Elvis dennoch nicht bewahren. Elvis übersteht, wie Chris Abani selbst, die Haftzeit und die Folter, kann sich retten und seinen eigenen Weg nach "GraceLand" finden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2004

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Oliver Jungen von Chris Abanis Roman "Graceland", der ein "Panorama der nigerianischen Geschichte" entwerfe und "ohne Abstriche" als "der große Nigeria-Roman der Gegenwart" gelten dürfe. Der im amerikanischen Exil lebende nigerianische Schriftsteller Abani erzähle die Geschichte des Igbo-Jungen Elvis Oke, der bereits mit fünf Jahren von seinem Vater zum Mann erklärt wird, später in die Fänge des Staates gerät, die Folter übersteht und schließlich dem so verhassten wie geliebten Land den Rücken kehrt. Die Stationen der Handlung - Tribalismus, Landflucht, politischer Aufbruch und erneutes Versinken in Korruption und militärischer Willkürherrschaft - nennt Jungen dabei als "so persönlich wie prototypisch", sind sie doch Grundkonstanten der jüngeren nigerianischen Geschichte. Auch wenn sich Elvis' Biografie in vielem mit der Abanis deckt, erschöpft sich der Roman nach Ansicht Jungens nicht im Autobiografischen und Dokumentarischen: "Der mitunter schonungslose Realismus bricht in seiner Mitte auf, und aus mythopoetischem Grund sprießen andere, metaphysische Triebe hervor." Er würdigt Abanis als "souverän waltenden Erzähler", der mit "Graceland" einen "mit allen poetischen Wassern gewaschenen Roman" vorgelegt hat. Auch dem Übersetzer Thomas Brückner zollt er seine Anerkennung. Dessen "behutsamer Übersetzung" gelinge es, den Tonfall des Romans beizubehalten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Chris Albanis "grandioser Beat-Roman" könnte vielleicht bewirken, worauf Rezensent Paul Simon offenbar schon zu lange wartet: das Ende mancher "Dritte-Welt-Literaturschmonzetten", die bisher zu sehr das Bild der afrikanischen Literatur prägten. Im Gegensatz dazu erzähle der nigerianische Albani seine "große Geschichte" vom Ghettojungen Elvis, der seinem Namenspaten nacheifern will und auf die Flucht nach Amerika hofft - alles erzählt in einem "eigenen, zwingenden, atemberaubenden Rhythmus", der dem Rezensenten direkt vom "schwarzen Horizont" unserer europäischen Wahrnehmung herüberzuwehen scheint. Albanis Stil scheint Simon von "allen amerikanischen Autoren der Weltklasse" beeinflusst zu sein, der Autor selbst kommt ihm als ein "Simplicius Simplicissimus" vor, in der modernen - und schwarzen - Inkarnation.
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