Chimamanda Ngozi Adichie

Blauer Hibiskus

Roman
Cover: Blauer Hibiskus
Luchterhand Literaturverlag, München 2005
ISBN 9783630871813
Gebunden, 318 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Judith Schwab. Eine Tochter aus gutem Hause entdeckt die Welt - das Haus liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Die 15jährige Kambili erzählt von dem Jahr, in dem ihre Familie auseinanderfiel, ihr Land im Terror versank und ihre Kindheit zu Ende ging.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

 Ins Schwärmen gerät Ludwig Fels bei diesem Roman der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, Jahrgang 1977, die mal nicht das gewohnte Klischeebild vom armen oder exotischen Afrika bedient, wie er aufatmend schreibt, sondern, auch nicht viel erbaulicher, das ganze "zwischenmenschliche Elend" einer nigerianischen Upper Class-Familie aus Perspektive eines heranwachsenden Mädchens erzählt. Der Vater ist ein Psychopath, ein Tyrann, der nach außen als Systemkritiker auftritt, aber die Familie mit pseudoreligiösen Vorschriften und Gewaltandrohungen quält. Schinderei, die sich als Liebe, Quälerei, die sich als Erziehung ausgibt, so sieht es Fels, der froh ist über dieses anrührende und verstörende Buch, das mit seiner Wärme, Lebendigkeit, Dramatik und Ambitioniertheit "streckenweise verstummen macht". Einerseits rufe Adichie die Sinnlichkeit der Kindheit in Erinnerung, freut er sich, während sie zugleich die innerfamiliären Beziehungen genau unter die Lupe nehme und uns ein durchaus realistisches Bild vom heutigen Nigeria vermittele.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2005

Kritisch geht Rezensent Tobias Döring mit Chimamanda Ngozi Adichies Debüt-Roman "Blauer Hibiskus" ins Gericht. Angesiedelt in den frühen neunziger Jahren im christlichen Süden Nigerias erzähle Adichie aus der Perspektive einer wohlerzogenen Tochter aus gutem Haus über das Erwachsenwerden in einer Familie, deren erzkatholisches Oberhaupt ein brutaler Tyrann ist. Nun gehen Geschichten über häusliche Gewalt nach Ansicht Dörings jedem an die Nieren. Im vorliegenden Fall aber stört ihn, dass die Autorin dies "ganz gezielt in ihr Kalkül aufnimmt". Die junge Nigerianerin, Jahrgang 1977 und seit 1998 in den Vereinigten Staaten lebend, habe in den Creative-Writing-Seminaren zwar gut aufgepasst und sich genau gemerkt, wie man so eine Sache angeht, befindet Döring. Ihre erzählerischen Mittel aber blieben hinter der gefühlten Absicht weit zurück. Das Handlungsschema kritisiert Döring als voraussehbar, die Konfliktlinien als "schnittmusterhaft", den Einsatz von Symbolischen als "lehrbuchmäßig", die Charaktere als "holzschnittartig". Dass die Autorin "unübersehbar" Anschluss an die große Romankunst ihres Landes sucht, kann ihren Roman nach Einschätzung Dörings auch nicht retten: "Welten trennen die subtilen Erzählgeflechte und Figurenkonstellationen eines Achebe und anderer nigerianischer Autoren auch der jüngeren Generation von der kunstgewerblichen Collage Adichies, die darauf angelegt zu sein scheint, das Erwartungsrepertoire an afrikanische Romane - Masken, Mütter, Mythen und Gewalt - artig zu bedienen."

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…