Klappentext
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Die Erinnerung an ein Verschwinden - und der Versuch, ein schicksalhaftes Geheimnis zu lüften. Im Mai 1961 stürzt in der algerischen Wüste ein Flugzeug ab. Niemand überlebt. Die Erzählerin erinnert sich an eine Freundin ihrer Eltern, die sie als Kind kennengelernt hatte, von der sie aber nur noch ein altes Foto hat, und die manchmal bei ihnen zu Hause auftauchte, bevor sie für längere Zeit in die Ferne ging. Jedes Mal, wenn sie zurückkehrte, brachte sie einen Hauch von Abenteuer in das Leben des Kindes. Eines Tages kam die Frau, die Stewardess auf jenem Flug war, nicht mehr zurück. Ihr Schicksal beschäftigt die Erzählerin seit Jahren wie eine nie verheilte Wunde. Sie war ihre Patentante, ihre "Reisefee". Doch bei jedem Versuch, sich diesem Geheimnis zu nähern, hat sie das Gefühl, einen verbotenen Bereich zu betreten. Ihre Ermittlungen führen die Erzählerin zu der Annahme, dass der Absturz des Air-France-Flugzeugs vielleicht kein Unfall war. Hatte er politische Gründe ?
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.03.2026
Rezensent Carsten Hueck ist zutiefst beeindruckt von diesem mit den Konsequenzen eines Tods ringenden Roman der französischen Schriftstellerin. Darin versucht die namenlos bleibende Erzählerin den Tod einer befreundeten Stewardess zu verarbeiten, die bei einem Flugzeugabsturz 1961 umkam, fasst der Kritiker zusammen. Weniger als traditioneller Roman, denn als "Totengespräch" gestaltet sich dieser polyphone Text, der auf unterschiedliche Arten das Unfassbare am Tod einer Person zu erzählen versucht, analysiert Hueck. Dafür blickt der Text unter anderem auf die Geschichte des Luftverkehrs, den Mythos des Ikarus, aber auch auf einen Zeitungsartikel Kafkas und flämische Malerei, lesen wir. All das in dem Bestreben, Erklärungsansätze um eine Leerstelle zu gruppieren und dadurch auch die Möglichkeiten der Erinnerung zu ergründen, beobachtet Hueck am feinsinnigen Bau dieses kunstvollen Textes.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.02.2026
"Ein so schönes wie trauriges Buch" liest Tobias Lehmkuhl mit Cécile Wajsbrots neuem Roman, der sich um den Absturz eines Fluges der Air France im Mai 1961 dreht. Niemand überlebt das Unglück in der Sahara, bei dem unter anderem auch eine Stewardess stirbt, die von der Erzählerin des Romans, damals ein kleines Mädchen, "Reisefee" genannt wurde. Sechzig Jahre später erzählt die nunmehr alte Frau von dem Unglück und der Bedeutung, die es für ihr eigenes Leben hatte. Das Ereignis avanciert zum "Fluchtpunkt ihrer eigenen Existenz", erklärt Lehmkuhl, warum das so ist, aber auch den eigentlich Grund für den Absturz, will die Erzählerin nun herausfinden. Begleitet wird sie von einer "Stimme aus der Zwischenwelt", die das Ereignis immer wieder im Sinne eines antiken Chors kommentiert, der Kritiker erkennt hier auch zahlreiche andere literarische Einflüsse, vom persischen Dichter Farid ud-Din Attar bis Kafka. Ein Happy End gibt es bei dieser Suche nach Wahrheit und Identität nicht, verrät Lehmkuhl, das Buch hat ihm trotzdem gut gefallen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2026
Rezensentin Barbara von Machui verfolgt fasziniert den Plot des neuen Romans der französischen Autorin Cécile Wajsbrot, die eine nie vernarbte Kindheitswunde aufarbeitet: den Tod ihrer "Reisefee", einer jungen Stewardess, die 1961 bei einem Flugzeugabsturz in der algerischen Wüste ums Leben kam. Das Verschwinden dieser Frau, die dem verschüchterten Mädchen "Farbe in eine Schwarzweißwelt" brachte, wurde von den Eltern lange verschwiegen, die Absturzursachen nie geklärt. Aus dieser Geschichte webe Wajsbrot einen "kunstvoll verwobenen vielstimmigen Gesang", durchzogen von Referenzen auf Homer, Proust, Kafka, Hitchcock und Gluck. Machui sieht darin einen überzeugenden Schritt auf dem Weg zu neuen Romanformen, auch wenn manche Fäden im dichten Assoziationsteppich unaufgelöst bleiben, schließt die Kritikerin.
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