Carmen Posadas

Kleine Infamien

Roman
Cover: Kleine Infamien
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518416532
Gebunden, 286 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Als die Tür der Kühlkammer mit einem "Klack" hinter Nestor Chaffino zufällt und der Roman einsetzt, spinnt das Schicksal längst seine Fäden. Aber das Schicksal ist ein Hallodri. Wem führt es die Hand? Im Sommerhaus des Kunsthändlers Ernesto Teldi, dessen Fest für exzentrische Sammler der Chefkoch Nestor Chaffino ausrichtet, gibt es in dieser Nacht mehr als einen, der ihn und sein heikles Wissen lieber heute als morgen zum Schweigen gebracht sähe. In Nestors erstarrter Faust findet sich ein Blatt aus seinem Notizbuch, in das er die raffinierten Kniffe eingetragen hat, die Küchenmeister gewöhnlich nicht verraten. "Kleine Infamien" hat er die Aufzeichnungen überschrieben - wo doch die höchsten kulinarischen Wonnen ans Unanständige grenzen. Aber will der Koch, der in so mancherlei Milieus verkehrt, wirklich nur einem alten Freund Geheimnisse preisgeben?
Nicht nur die junge Chloe, die in dieser Nacht von äußerst verwirrenden Erinnerungen heimgesucht wird, vermutet mehr. Was weiß Nestor von Adela Teldi und ihren verhängnisvollen Amouren? Was von der Vergangenheit ihres Mannes im Argentinien der Militärdiktatur? Was von den dunklen Leidenschaften des korrekten Richters Serafin Tous?

Im Perlentaucher: Rezension Perlentaucher

Die satirische Absicht ist rasch erkannt, die Ausführung verstimmt. Genau eine Vorgeschichte und Psychomacke gönnt Posadas jeder ihrer Figuren, nichts wird entwickelt, alles wird endlos wiederholt, ist Verdachtsmoment und Entlarvungsversuch und Psychologieersatz zugleich. Die Auflösung, das verwundert dann nicht mehr, ist so egal wie unglaubwürdig - und die Schlusspointe schlechterdings abgeschmackt. "Kleine Infamien" ist versalzene Suppe, Suhrkamp bleib bei deinen Leisten...
Lesen Sie mehr von Ekkehard Knörer in 'Mord und Ratschlag'

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.02.2005

Martin Krumbholz hat es mit Genuss verspeist: das "Souffle" der Spannung und des hintergründigen Humors, das Carmen Posadas ihm auf den Tisch zauberte, abgeschmeckt mit einem "Schuss Mystik" und Philosophie. Weshalb die kulinarischen Bilder? Weil Nestor Chaffino, der Tote, dessen Mörder es hier zu ermitteln gilt, ein vortrefflicher Koch und Konditor war, und einer, der seine Geheimnisse zu wahren wusste: Nicht nur die geheimen Tricks - die "kleinen Infamien" -, die aus einer gewöhnlichen eine höchst delikate Süßspeise machen, sondern auch die Geheimnisse seiner Mitmenschen, die sich dennoch fürchteten, er könnte sie ausplaudern. Einer zumindest hat es wohl befürchtet. Vier kommen infrage, alle ihre Namen beginnen mit einem T. Wer war's? Der Rezensent ist diskret wie der Koch, er verrät nur, dass es ausgezeichnet geschmeckt hat.
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