Carl-Johan Vallgren

Kunzelmann und Kunzelmann

Roman
Cover: Kunzelmann und Kunzelmann
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783458174608
Gebunden, 611 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Angelika Gundlach. Seine "Meisterwerke" hatte er für teures Geld an Industrielle und Politiker in Schweden und Deutschland verkauft. In Rückblenden und aus der Perspektive des Sohnes erzählt Vallgren die Geschichte des Viktor Kunzelmann, er erzählt von der Kunstszene Berlins und von den Nazihorden, die durch die Straßen der Stadt ziehen. Viktor, in Berlin geboren, und sein Freund Georg Haman tarnen sich mit der NSDAP-Mitgliedschaft. Sie werden erfolgreich mit gefälschten Briefmarken, Lebensmittelkarten, Gutachten und Gemälden. Nachdem er zuerst mit den Nazis, dann mit den Amerikanern im Nachkriegsberlin gute Geschäfte gemacht hatte, geht Viktor 1949 nach Schweden, wo er, der bedeutende Kunstkenner, in eine Expertengruppe berufen wird, die neue Methoden zum Erkennen von Kunstfälschungen entwickeln soll. Zugleich aber setzt er seine eigene Fälschertätigkeit fort, bis er am Ende seines Lebens seine Bilder zerstört.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2010

Besonders freundlich lässt sich Peter Urban-Halle nicht gerade über den Kunstfälscher-Roman des 2003 gestorbenen schwedischen Autors Carl-Johan Vallgren vernehmen. Schiefe Metaphern, Trivialität, bemühten Witz und einen sentimentalen Schluss darf der Leser laut Rezensent erwarten, wenn der Autor seine Geschichte eines homosexuellen Restaurators ausbreitet, der sich erst im Nazideutschland und später im schwedischen Exil als Kunstfälscher betätigt und die sein nichtsnutziger Sohn nach seinem Tod rekonstruiert. Urban-Halle prangert noch  die Selbstverliebtheit und die "Redseligkeit" des Autors an, um dann in einer ziemlich überraschenden Kehrtwende seine Zuneigung nicht nur zum Autor, sondern auch zu seinen von ihm entworfenen Figuren zu verkünden. Oder war das Etikett "reiner Trash", das der Rezensent dem Roman anhängt, am Ende doch als Kompliment gemeint?
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2010

Rezensentin Judith Leister hat den neuen Roman des schwedischen Bestsellerautors Carl-Johann Vallgren "Kunzelmann und Kunzelmann" vor allem als Kritik des Medien- und Kulturbetriebs der letzten Jahre gelesen, die sie dabei reichlich "abgedroschen" fand. Nach Informationen der Rezensentin erzählt der Roman eine Kunstfälschergeschichte inklusive Vater-Sohn-Konflikt, deren Protagonisten nicht gegensätzlicher sein könnten. Der in Deutschland aufgewachsene Kunstexperte und -fälscher Viktor Kunzelmann, der zu NS-Zeiten wegen seiner Homosexualität im Konzentrationslager inhaftiert war, wird seinem Sohn Joakim, einem erfolglosen Journalisten mit starker Frauenwirkung gegenübergestellt, erklärt Leister die Ausgangskonstellation. Nach dem Tod seines Vaters enthüllt Kunzelmann junior dessen doppelbödige Existenz und macht selbst eine laut Leister eher unglaubwürdige Wandlung durch. Ziemlich anstrengend und angestrengt findet sie, wie Vallgren die "Gegenwart als Fratze" darstellt, trotz allem Zeitkolorit und aller angeführten Kunstexpertise.
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