Candida Höfer

Candida Höfer

Monografie. Deutsch/englische Ausgabe
Cover: Candida Höfer
Schirmer und Mosel Verlag, München 2003
ISBN 9783829600231
Gebunden, 252 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Mit einem Text von Michael Krüger. Mit 200 Farbtafeln. Seit ihren Anfängen in den siebziger Jahren gehört das fotografische Interesse von Candida Höfer, geboren 1944, dem sogenannten öffentlichen Raum. Dabei kann es sich um Innenräume handeln - Bibliotheken, Vorlesungssäle, Foyers, Museen, Vereinslokale - oder, seltener, um urbane Situationen, etwa öffentliche Plätze, Straßenzüge, auch Zoologische Gärten. Noch vor ihrem Studium bei Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie entstand eine erste Serie zu ihrem Thema, dem sie bis heute konstant treu geblieben ist: Damals fotografierte sie türkische Mitbürger in Geschäften, Teestuben, Grünanlagen. Zunehmend verschwanden dann die Menschen aus ihren Bildern, und dennoch gewann in den "leeren" Räumen die menschliche Präsenz immer spürbarer an Intensität - als Abwesenheit derer, für die sie gebaut und eingerichtet wurden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2003

Gespenstisch geradezu weht es den Rezensenten mit dem Kürzel "her" aus dem Band mit Fotografien der diesjährigen deutschen Biennale-Künstlerin Candida Höfer an. Das rührt zunächst daher, dass diese Bilder meist öffentlicher Räume - "Bibliotheken und Museen, Vorlesungssäle, Aulas, Sitzungszimmer und Foyers"- in aller Regel menschenleer sind. Es ist aber mehr als das, es scheint nämlich sogar jede Spur des menschlichen Lebens daraus getilgt: nichts Zurückgelassenes, nichts Angefangenes in den Bildern und kaum einmal ein Blick nach draußen. Diese "Sachlichkeit", als Suche nach dem "möglichst objektiven Bild", kommt dem Rezensenten, wie gesagt, ein wenig "unheimlich" vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.05.2003

Einen Eindruck von "Zeitlosigkeit und Unverrückbarkeit" hinterlassen die Fotografien von Candida Höfer nach Ansicht von Rezensent Ulf Erdmann Ziegler, was seines Erachtens nicht zuletzt an Höfers Objekt liegt, dem sie sich seit gut zwanzig Jahren widmet: den (halb)öffentlichen Kulturinstitutionen, ihren Schau- und Schmuckseiten, Dachböden und Hinterstuben, Archiven und Küchen. Höfer sei im Prinzip dem Rat ihres Lehrers Bernd Becher gefolgt, sich ein Thema zu suchen, das zeitlebens trägt, und davon nicht mehr zu lassen, berichtet Ziegler. Höfer fotografierte zunächst nur öffentliche und private Bibliotheken, später kamen Museen und Akademien dazu, hält Ziegler fest, "bis sie schließlich im Zentrum des westlichen Kulturerbes stand, als dessen Dokumentaristin sie mit Samthandschuhen herumgereicht wird". Die Gegenwart werde dabei im Handumdrehen Geschichte. "Ohne Zweifel", erklärt Ziegler, "ist ihr Werk eine vorzügliche Quelle zur Untersuchung des Stilwillens von Kultureliten." Zum Bedauern des Rezensenten bringt das Buch dem Leser Höfers Herkunft und Methode nicht wirklich nahe. Schade findet er zudem, dass die 209 fotografischen Beobachtungen nicht mit Erläuterungen im Anhang versehen wurden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.04.2003

Candida Höfer fotografiert leere Schauplätze menschlicher Aktion, zum Beispiel Bühnen, Museen, Kuranlagen oder Kantinen, erklärt Rezensent Holger Liebs. Dennoch sei Höfer keinesfalls nur als Archivarin realer Gegenstände und Räume zu sehen, ein Rolle, die der dokumentarischen Fotografie häufig klischeehaft übergestülpt werde. Bei dieser Fotografin gehe es auch um Betrachterfiktion, um das, was sich möglicherweise hinter der Wirklichkeit verbergen könnte. Diese Ebene der nach Liebs Meinung "prachtvollen" Monografie über Candida Höfer, die einen Querschnitt ihrer Arbeiten der vergangenen 25 Jahre biete, müsse der Betrachter allerdings selber entdecken.

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