Aus dem Englischen von Anna Leube und Wolf Heinrich. Im November 1519 kommt es zur weltberühmten Begegnung von Hernando Cortés mit dem Aztekenherrscher Moctezuma. Was damals passierte und was danach geschah, ist oft erzählt worden, aber vor allem so, wie die Spanier es uns präsentiert haben. Doch nach der Ankunft der Spanier und unbemerkt von diesen nutzten die Azteken das lateinische Alphabet, um ihre Geschichte in ihrer Sprache Nahuatl selbst aufzuschreiben. Auf der Grundlage dieser Texte korrigiert Camilla Townsend unsere Vorstellungen von der aztekischen Kultur gewaltig. Anstatt den europäischen Stereotypen einer exotischen, blutrünstigen Gesellschaft zu folgen, zeichnet sie ein sehr viel menschlicheres Bild jener Indigenen, die sich selbst Mexica nannten. Sie macht auch deutlich, dass die Eroberung durch die Spanier weder eine Apokalypse noch der Ursprung der Mexikaner war. Denn das Volk der Mexica kapitulierte nicht einfach vor der spanischen Kultur und Kolonisierung. Stattdessen richteten sie ihre politischen Loyalitäten neu aus, übernahmen neue Technologien und hielten durch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2023
Ein Buch über die Geschichte der Azteken steht "dem deutschen Buchmarkt" gut zu Gesicht, meint Rezensentin Antje Gunsenheimer. Deswegen lobt sie, dass durch Camilla Townsends Darstellung dieser Zivilisation vor und nach der spanischen Landung in Lateinamerika eine breitere deutsche Leserschaft mit bisher unbekannten Quellenmaterial in Kontakt kommt. In den ersten Kapiteln, so Gunsenheimer, bemüht sich die Autorin zu sehr um den Vergleich der Azteken mit anderen Mächten, zum Beispiel Mesopotamien, und verliert so den Fokus auf die aztekische Hochkultur. Dabei handelt sie allzu schnell wichtige Ereignisse der aztekischen Geschichte ab, moniert die Rezensentin. Gleichzeitig gelingt der Autorin eine gute Darstellung des aztekischen Alltags, besonders der weiblichen Bevölkerung, welche durch romanhafte Einschübe authentischer wirkt, so Gunsenheimer. Wenig Verständnis hat die Rezensentin für die unkommentierte Verwendung des Wortes "Indos", das eine Beleidigung in und außerhalb Lateinamerikas ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.03.2023
"Mitreißend und verblüffend" ist Camilla Townsends Buch über die Geschichte der Azteken, findet Rezensent Arno Orzessek. Die Autorin erzählt aus der Sicht des Volks der "Mexika", wie sich diese selbst nannten, anhand von Aufzeichnungen, die diese nach der Eroberung durch die Spanier unter Hernán Cortés anfertigten, um ihre Kultur zu bewahren, berichtet der Rezensent. Townsend erzählt damit eine ganz andere Geschichte als die nach den spanischen Zeugnissen verfasste, so Orzessek, die sie allerdings unter kritischem Blick miteinbezieht. Gleichzeitig räumt sie mit eurozentristischen Vorurteilen und mancher Legende auf. "Hoch reflektiert" und "griffig" zeichnet Townsend ein spannendes Bild der Mexika, ohne moralisierenden Zeigefinger oder "tendenziös-antikolonialistischen" Ton, schließt der Kritiker anerkennend.
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