Brigitte Kronauer

Die Tricks der Diva

Geschichten
Cover: Die Tricks der Diva
Reclam Verlag, Stuttgart 2004
ISBN 9783150183342
Kartoniert, 112 Seiten, 3,00 EUR

Klappentext

Brigitte Kronauers Geschichten führen den Leser in die Natur - oder setzen sie ihn dort aus? Denn die Natur, eine launenhafte Diva, scheint ihren eigenen Willen zu entwickeln und zeigt sich nicht immer von ihrer Sonnenseite ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2005

Kristina Maidt-Zinke kann der "traumartigen Logik" der Erzählungen Brigitte Kronauers nicht immer folgen, was sie aber nicht weiter betrübt. Sie genießt dagegen die Sprachgewalt Kronauers, eine Autorin, "die Sprachklänge und Wortfarben handhabt wie ein Komponist sein Tonmaterial, um den Leser in gleißende Helligkeit oder enigmatische Finsternis zu tauchen". Eine grundlegendes Kompositionsprinzip glaubt die Rezensentin in den Texten aber schließlich doch gefunden zu haben. Kronauer kombiniere und kontrastiere das "organische Wuchern" der Klänge und Bedeutungen mit einer wohlüberlegten, artifiziellen Konstruktion. So wachsen Kunst und Natur untrennbar zusammen, und Kronauer erschaffe für sich einen ganz neuen "Zusammenhang zwischen Natur und Literatur".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2005

Dass uns die Natur - aller schwelgenden Naturlyrik zum Trotz - im Grunde rein gar nichts zu bedeuten versucht, hat Rezensentin Maja Rettig in Brigitte Kronauers fünfzehn Geschichten zur Natur nachgelesen, die im Reclam-Bändchen "Die Tricks der Diva" versammelt sind. In der Tat weise Kronauer in dem von ihr verfassten Nachwort herkömmliche "Wald- und Wiesenekstasen" ausdrücklich von sich. Und in der Tat, findet die Rezensentin, gibt Kronauer "die klischierte Erklärung, Verklärung von Natur" dem Spott preis. Natur, die zum Menschen spricht, werde als schlichte menschliche Projektion entlarvt. So weit so gut. Interessanter wird es jedoch, sobald man die Frage nach dem Menschen als Natur stelle. Dies besorge Kronauer etwa in der Geschichte "Die Tiere", in der sie Jean Paul in einem Tierpark flanieren lässt, der auch Menschen zu seinen Insassen zählt. Die sonst dem Menschen zugebilligte "eigene Art von Göttlichkeit" erblicke Jean Paul einzig in den Augen eines in die Sonne blickenden Warzenschweins. Besonders gefallen hat der Rezensentin dabei, wie bei Kronauer "mehrfach 'natürliche' menschliche Ordnungen in Frage und auf den Kopf gestellt" werden, was sich besonders in den "raffinierten Erzählvolten" und "oft unvermuteten Umkehrungen" von "wir" und "sie" oder auch dem den Leser miteinbeziehenden "Sie" manifestiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2004

Im Windschatten ihres großen neuen Romans "Verlangen nach Musik und Gebirge" ist dieses kleine und, wie es bei Reclam zu erwarten steht, überaus preisgünstige Heft leider etwas untergegangen, bedauert der Rezensent Richard Kämmerlings. Dabei stecke es voller wunderbarer Texte, etwa jenen mit dem Titel "Wie!", der nicht weniger als eine "satirische Typologie des Badestrandpersonals" unternehme. In "Die Tiere" lässt Brigitte Kronauer Jean Paul durch den Zoo Hagenbeck spazieren, die Erzählung "Dri Chinisin" wird überraschend zum Kindergarten-Horrorfilm-Szenario, erzählt der begeisterte Rezensent. Das Grundprinzip der Geschichten ist es, so Kämmerlings, alles - Tier, Pflanze, Mensch - so zu betrachten, "als wäre es Natur". Da kann der Leser nur ins Schwärmen kommen: "So viel Natur und so viel Kunst zugleich war für drei Euro noch nie zu haben."
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