Das Krankheitsbild "Schizophrenie", 1908 vom Schweizer Irrenarzt Eugen Bleuler geprägt, gehört heute zu den erfolgreichsten Konzepten der Psychiatrie. Auch als Metapher findet der Begriff breite Verwendung. Warum aber war die Entwicklung dieser Diagnose um 1900 nötig geworden? Wie kam es zu ihrem Erfolg? Und was verrät uns das Krankheitsbild über die Zeit seiner Ausformulierung? Brigitta Bernet zeichnet Problemlagen und Erfahrungsräume nach, die das Entstehen des Schizophreniekonzepts ermöglicht haben. Sie macht anschaulich, wie sozialer Wandel und der Wandel von Krankheitsvorstellungen ineinandergreifen. Als Beitrag zu einer integralen Geschichte der Psychiatrie, die ihren Gegenstand an die Sozial- und Kulturgeschichte zurückbindet, eröffnet das Buch unerwartete Perspektiven auf das Verhältnis von Wahnsinn und Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2013
Schizophrenielehre und wie es dazu kam lässt sich Martina Lenzen-Schulte von der Historikerin Brigitta Bernet erläutern. Die Autorin führt die Rezensentin ein in hundert Jahre Begriffs- und Krankheitsgeschichte. Laut Lenzen macht sie das auf eine nie dagewesene vielschichtige und die verschiedenen Krankheitsvorstellungen (hier: von Kraeplin und Bleuler) parallelführende Weise. Nicht ganz einfach findet die Rezensentin die Lektüre, wenn Therapieansätze und soziale Krisen kurzgeschlossen und Beispielfälle dargestellt werden, doch dafür umso fruchtbarer.
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