Brane Mozetic

Schattenengel

Erzählung
Cover: Schattenengel
Passagen-Verlag, Wien 2004
ISBN 9783851655391
Broschiert, 124 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Slowenischen von Andreas Leben. Ein Mann - er heißt Brane - steht als Angeklagter vor Gericht und soll psychologisch begutachtet werden. Er hat seinen Geliebten getötet, die Psychologin forscht vorsichtig nach den Gründen. Im Verlauf des Interviews enthüllt sich die Geschichte einer Beziehung, die von Anfang an von Gewalt und Abhängigkeit geprägt ist und die ausweglos in die Katastrophe führt ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2004

Es ist wohl einer gewissen Bequemlichkeit zuzuschreiben, meint Rezensent Erwin Köstler, dass es sechs Jahre gedauert hat, bis dieser Roman dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht wurde. In der Tat gehöre Brane Mozetis "Schattenengel" zu den Romanen, die man gern auf eine Kategorie - hier die Gay-Literatur - reduziere, um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Falsch, meint da der Rezensent, denn Mozetis Roman eröffnet trotz seiner Schilderung "drastischer homosexueller Praktiken und Gewalt" beängstigende Identifikationsmöglichkeiten, weil er derart "mit Wirklichkeit aufgeladen" ist, "dass einem die Haare zu Berge stehen". Worum geht's? Nachdem der Protagonist Brane seinen grausamen Geliebten getötet hat, kommt es zum Prozess, im Zuge dessen eine Psychologin nach den Motiven forscht - im Gespräch mit dem Angeklagten. In diesem Gespräch - aus dem der Roman besteht - legt Brane umfassend Zeugnis ab vom "wohlbekannten Beziehungsterror aus Vereinnahmung und Abstoßung, nur eben bis in die mörderische Konsequenz", erzählt Köstler. Dabei begegne dem Leser immer wieder die Frage, "was Menschen voneinander verstehen können". Verstörend findet der Rezensent dabei Branes "Diktion einer durchschnittlichen Rationalität, die keinen Wahnsinn erkennen lässt", trotz der ungemeinen Drastik der Ereignisse. Es besteht kein Zweifel, so der einigermaßen verstörte Rezensent, dass "Schattenengel" zum Besten der slowenischen Literatur gehört und als "echte Bereicherung" gelten kann, gerade aufgrund seiner erschreckenden Abgründigkeit: "Mozetis Figuren handeln autistisch, fixiert auf ein extrem schmales Segment von Welt, in dem alles, Wünsche, Sehnsüchte, Liebe, aber auch Brutalität und Sadismus, Platz finden muss."
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