Ausgewählt von Thomas Hürlimann. Botho Strauß hat Liebesgeschichten der besonderen Art geschrieben. Kein anderer Schriftsteller seiner Generation hat so eindringlich über Herzensbrecher und Heiratsschwindler, über Liebesbetrug und armselige Hochstapler, über Täuschung, Lüge und Schweinerei geschrieben - und natürlich über die Leidenschaft. Thomas Hürlimann hat aus den vielen Erzählungen die ihm liebsten Geschichten herausgesucht und neu gemischt. Entstanden ist ein Lesebuch über die Nachtseiten der Liebe zwischen Mann und Frau, wie es reicher und geheimnisvoller nicht zu denken ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2012
Eine groooße Leseerfahrung hat Rezensent Wolfgang Schneider zu annoncieren: Botho Strauß, kompiliert von Thomas Hürlimann, offenbar derart perfekt, dass Schneider darüber weiter kein Wort verliert, sich stattdessen gleich auf Straußens (dieser "Anarchist der Gefühle") Texte stürzt. Die kreisen laut Schneider ums ewig Spannende zwischen Frau und Mann. In den kurzen Geschichten, Anekdoten, Parabeln, Romanauszügen, Märchen begegnet es Schneider in aller Vielfalt. Herzensbrecher, Muttersöhne, Worterotiker, Alkoholikerinnen, Funkenfrauen begegnen einander. Die Idylle wird von Strauß höhnisch dekonstruiert, ins Irrationale überführt, enthemmt, wie Schneider erklärt, im mal lässigen, mal hohen Ton, stets fein witzig. Dabei gewinnt der Rezensent immer wieder Momente von großer "Gefühlswahrheit". Den Preis eines über Bord geworfenen Realismus zahlt er gerne dafür. Und das prinzipiell Offene des ganzen Bandes, stört es den Rezensenten? Nicht die Bohne. Diesen fast unzeitgemäß klugen Autor kennt er gar nicht anders.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2012
Hanns Zischler schreibt einer Eloge auf den Autor Botho Strauß. Und auf diese, wie er es nennt, "behände Montage und Fortschreibung" eines ungeheuren Werkes. Wenn Thomas Hürlimann sich der Strauß'schen Texte annimmt und sie mit scharfem Cutter kühn neu arrangiert und die Amplituden verstärkt, entsteht für Zischler verdichtetes Altneuland der Literatur. Gibt es einen roten Faden in dieser Prosa, so ist es die Liebe, meint Zischler, der sich beflüstert, umgarnt, aber auch angegangen fühlt von diesen Texten, Szenen, Sketchen, Briefen, Träumen und Visionen. Zweierlei weiß er ganz genau: Das hier ist so zeitfest wie zeithaltig. Und der Autor Strauß vermag wie kein zweiter das Alltägliche ins Mythologische zu kippen und vor allem: Dialoge zu schreiben!
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