Botho Strauß

Oniritti - Höhlenbilder

Cover: Oniritti - Höhlenbilder
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446254022
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Oben die helle Welt, unten das Dunkel: Schon auf dem Weg durch die Stadt gibt es überall Höhleneingänge, auf dem Weg der Liebe, auf dem Weg der Gerechtigkeit, auf dem Weg des Spiels. Wer lebt, der lebt mit Bildern, mit Geschichten, die sich wieder aus Bildern zusammensetzen. Mann und Frau ein Leben lang auf der Suche nach sich selbst. Die Bilder, die Botho Strauß entwirft, die Szenen die er erzählt, sind Graffiti aus der Tiefe des Traums. Und wie im Traum erkennt der Leser in dem, was so rätselhaft erscheint, ganz plötzlich sein eigenes Gesicht. Botho Strauß erkundet unsere gegenwärtige und alte Bilderwelt, entziffert die Schrift auf den Höhlenwänden der Nacht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.01.2017

Eberhard Geisler erkennt den Wunsch zum Gespräch bei Botho Strauß. Dass der Mann aus der Uckermark etwas Gewichtiges beizutragen hätte, daran zweifelt Geisler nicht, wenn er das neue Buch von Strauß in die Hand nimmt. Was der Autor in Skizzen, Parabeln, Denkbildern mit Bezügen zu Kafkas "Vor dem Gesetz", zu Piranesi, Benjamin, Borges, der Bibel, Platon und anderen hier formuliert, berührt laut Geisler Themen wie Mythen, Vermassung, Liebe und Bühne und immer auch die Frage nach Gott. Dass der Autor keine Gewissheiten präsentiert, sondern den Dialog sucht und ein weit ausgreifendes Denken in alle Richtungen übt, aufgeklärt, aber für Epiphanien offen, findet Geisler sympathisch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.01.2017

Für den Rezensenten Ijoma Mangold ist Botho Strauss' neues Buch "Oniritti" schlicht ein Meisterwerk. So sperrig der Titel auch erscheinen mag, passt er doch genau auf die hier wie Bilder komponierten Prosaminiaturen, die Strauss angelehnt an das griechische Wort oneiros - Traumgesicht - als "Bildschriften auf der Höhlenwand der Nacht" beschreibt, klärt der Kritiker auf. Hymnisch fährt Mangold fort: Die Miniaturen, in denen immer wieder neue Figurenkonstellationen wie lebendige Bilder erscheinen, die psychologisch verdichtet und geradezu "hyperrealistisch" die ganze Beziehungsgeschichte zweier Menschen erzählen, kommen ganz ohne Handlung aus, staunt Mangold und sieht hier eine echte dichterische Innovation. Mehr noch: Sätze, die ganze Romane ersetzen, entdeckt der Kritiker hier ebenso wie philosophische Reflexionen über die "Poetologie der Höhle", Parodien über Weltekel und Sinnsuche oder die Leichtsinnigkeit der realistischen Gegenwartsliteratur, die das Sehen verlernt habe. Keinem anderen Autor gelingt es derart brillant, der Gegenwart einerseits die "archaisch-mythischen" Nachwirkungen abzulauschen und sie zugleich so präzise zu skizzieren, versichert der überwältigte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.11.2016

Christoph Bartmann wittert Großes bei Botho Strauß. Dessen poetische Intuition scheint ihm jedenfalls intakt, wenngleich weiter gesunken Richtung Erdinneres, von wo aus Strauß verhalten zeitkritische Signale sendet, die Bartmann gern empfängt. Hermetisch, aber augenöffnend und auch vergnüglich scheinen ihm diese Notizen, in denen traumhafte erotische Annäherungen zur Sprache kommen, Lektüre und Trance. Den feinen, grotesken Autor erkennt Bartmann hier allemal wieder.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016

Rezensent Lorenz Jäger ist begeistert von dem neuen Buch von Botho Strauß, für Jäger eine Wunderkammer, Zeugnis schierer Intelligenz, in dem Geschichten imaginärer Welten aufgerufen werden, die der Leser aber als gegenwärtig erkennen kann, wie Jäger meint, ebenso die Figuren, selbst wenn sie erscheinen wie Kafka auf Instagram. Die Kunst des Autors erkennt Jäger eben darin, aber auch im Wechsel zwischen Tiefsinn und Heiterkeit. Der Buchtitel, aus griechisch Traum und Graffiti, erklärt der Rezensent, ist bestens gewählt und umreißt die Poetik des Bandes. Auch wenn sich die Logik der Sammlung nicht gleich erschließt, meint Jäger, die enthaltenen Bewusstseinsfragmente, Haltungen und autobiografischen Momente ergeben ein Weltbuch.