Botho Strauß

Die Fabeln von der Begegnung

Cover: Die Fabeln von der Begegnung
Carl Hanser Verlag, München 2013
ISBN 9783446241800
Gebunden, 248 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Neue Geschichten von Botho Strauß, dem bedeutendsten Physiognomiker der Literatur in Deutschland. In seinen hellsichtigen Erzählungen, Wahrnehmungen und Überlegungen geht es immer um den einen, einzigen Augenblick, in dem sich das Leben ändert, die Liebe sich auflöst, die scheinbar stabilen Zusammenhänge verschwimmen. Unter dem Vergrößerungsglas seines tief eindringenden Blicks wird dieser Augenblick festgehalten. Das hat zumeist unheimliche Konsequenzen. Denn wenn es auch von außen so aussieht, als würden "die Sinne sich wieder aufrichten wie Gras, das man eine Zeitlang niedergetrampelt hat", so bleiben doch winzige Narben zurück, die sich in der Zeit zu seelischen Katastrophen addieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2013

Mann und Frau scheinen Andrea Köhler bei Botho Strauß nicht zur echten Begegnung fähig. Die "Fabeln von der Begegnung" liest sie insofern in erster Linie als "Fabeln der Verfehlung". In seiner Formulierungskunst findet sie Strauß, den sie als "sensorisch hochbegabten Physiognomiker des bürgerlichen Mittelstands " würdigt, so glänzend wie eh und je. Doch ob sie wirklich glücklich ist mit diesen neuen Geschichten lässt sie nicht wirklich erkennen. Das auftretende Personal - unter anderem ein "Frauenbesseler", eine Speditionsgattin, ein "unerlöster Lidl-Kunde" - wirkt auf sie mitunter sehr befremdlich. Zeitgenossen erkennt sie in den Figuren jedenfalls nicht. Das Fazit der Rezensentin: "seltsame und höchst rätselhafte Prosaminiaturen aus einer beschädigten Welt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2013

Botho Strauß betreibt in der Uckermark eine Volksschule ungewisser Bestimmung, so denkt sich Thomas Steinfeld das Dasein und Wirken dieses Autors am Rand. Das Buch scheint ihm nicht einfach zu sein. Weil Strauß mit all seinem Können gegen den Selbstfindungswahn anschreibt, wie Steinfeld erklärt. Sätze zum Nachgrübeln entstehen dabei, Sätze über das moderne Ich, die Steinfeld alles andere als einzelgängerisch vorkommen, allegorisch, belehrend, skeptisch zwar, doch durchaus mit klar umrissenen Gestalten und sehr gegenwärtig.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

"Großartig und widerspenstig" findet Ulrich Greiner diesen Prosaband, mit dem Botho Strauß noch einmal zeige, auf "welch hohem gedanklichen Niveau" er von den Grundlagen unseres Lebens zu erzählen verstehe. In den kurzen Prosastücken kommen natürlich keine Tiere vor, stellt der Rezensent klar, was sie zu Fabeln mache, sei die "anschauende Erkenntnis", zu der Strauß dem Leser verhelfe, wenn er mit distanzierten Blick, und voller Trauer, wie Greiner versichert, die Formen unseres Zusammenlebens betrachtet: die "ungeschliffenen Gesellschaftsmenschen" oder Paare, die nicht mehr im Extremen lieben, sondern sich in banaler sexueller Kameraderie zusammenfinden. Und auch wenn Strauß das Wegbrechen des schicklichen Benehmens beklagt (das die Schönheit der Frauen nicht mehr verschleiere!), dann entfährt Greiner seliges Seufzen über Botho Strauß: "Ein Glück für die Literatur, dass es ihn gibt!"

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.03.2013

Jürgen Berger windet sich unter den Hubereien des "Bildungskaspers" Botho Strauß, der einem zur Lektüre seiner neuen Erzählungen einen griffbereiten Handapparat mit Materialien der antiken Literaturgeschichte abverlangt. Immerhin bleibt sich Strauß in diesen Skizzen über sich einander nicht findende Frauen und Männer treu, so Berger, der im Autor allerdings nur einen "verhinderten Epiker" sieht, der zu längeren Formen offenbar keinen Ansporn mehr findet. Stattdessen verarbeite Strauß seine Erzählpartikel in abwechselnden Formen, Anspielungen und Situationen, die so schnell aufgegriffen wie wieder abgelegt werden, was wiederum dem Rezensenten, so zumindest der Eindruck beim Lesen, irgendwann herzlich egal wird.
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