Mit 48 Farb- u. 252 SW-Abbildungen. Die vorliegende Publikation will die Sarkophagreliefs einem breiteren Publikum erschließen und dabei vor allem zeigen, was für eine zentrale Rolle die Mythenbilder im Leben der Zeitgenossen spielten, wie sie zu den Grabbesuchern sprachen und welche Vorstellungen von Selbstverständnis, Lebensfreude und Lebensgenuss sie vermittelten. Der Text bietet neben einer systematischen Einführung in das Verständnis der Bilder eine Analyse ausgewählter Sarkophage, die auch eine detaillierte Darstellung der jeweiligen Mythen und ihrer Ikonographie enthält.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2004
Christian Meier bezeugt eine höchst anregende Lektüre: Paul Zanker gelinge es, die Rolle mythischer Überlieferungen im Rom des zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhunderts ins Licht zu rücken, indem er ihre Verwendung auf Sarkophagen dokumentiert und interpretiert. Das Ergebnis, grob gerafft: Die Römer verschlüsselten auf den kostbar ausgestatteten Sargreliefs das Leben der Verstorbenen in den Motiven der Mythen, machten es aber in dieser mythischen Verkleidung zugleich universell lesbar. Diese Praxis aber ging im dritten Jahrhundert zurück - der "Zusammenhang des Lebens von Göttern, mythischen Helden und Menschen" löst sich auf, die "alten Bilder, die alten Geschichten verlieren an Substanz, an Aussagekraft". Mit dieser Erkenntnis, so der Rezensent, ist auch etwas für die Altertumswissenschaften an sich gewonnen - die Sarkophage stehen nicht nur für sich selbst und werden als schwer zugängliche Museumsstücke verstehbarer, sondern rücken in den Rang von Quellen, von Dokumenten gesellschaftlicher Umwälzungen in der späten Antike. Meier hebt die gelungene und großzügige fotografische Ausstattung des Buches hervor, sowie Björn Christian Ewalds nützliche Dokumentation der Mythenstoffe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.05.2004
Römische Sarkophage irritieren, weiß Valeska von Rosen. Sie stehen meistens in "schlecht beleuchteten Museumskorridoren", die Reliefs sind in ihrer Kleinteiligkeit schwer zu entziffern, vor allem aber entspricht ihre von heiteren dionysischen Vergnügungen erzählende Bildsprache so gar nicht dem, was man, eine christliche Prägung vorausgesetzt, von "sepulchraler Kunst" erwartet. Was hat das zu bedeuten, fragen sich die Archäologen - ging es den Römern um die Bebilderung jenseitiger "fröhlicher Gefilde" oder nur um inhaltleeren Bildungsprunk? Paul Zanker beantwortet die Frage in diesem "hervorragend ausgestatteten Band" zur vollen Zufriedenheit der Rezensentin, indem er anhand genauer Einzelanalysen die künstlerische Adaption der Mythenwelt nachvollzieht und gerade an Hand der dabei vorgenommenen Abweichungen nachweist, dass die Römer sich "ihr identifikatorisches Potential" zunutze machten. Die Verstorbenen wurden quasi zu Akteuren des im Relief neu belebten Mythos, das (im Falle von Trauerszenen) unmittelbar Trost spendete oder (im Falle von fröhlichen Szenen) über den Verlust hinweghalf. "Es ist dieser sensible und zugleich vielfältige interpretatorische Umgang mit Bildern, der die Studie so faszinierend macht", schreibt Rosen und kann außerdem noch hinzufügen, dass Zanker sie mit "sprachlicher Eleganz" formuliert hat. Ein Lob ohne jeden Abstrich.
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