Ihr letzter Schultag fällt auf den 20. Juli. Am Vortag hat die Deutsche Aktion mit ihrem charismatischen jungen Führer bei der Landtagswahl 37 Prozent bekommen. Im Leistungskurs Geschichte entbrennt unter den Abiturienten und ihrem Lehrer eine hitzige Diskussion. Das Attentat auf Hitler kam am 20. Juli 1944 viel zu spät. Es hätte am 20. Juli 1931 begangen werden müssen. Was ist daraus zu lernen? Zuwarten oder eingreifen? Saubere Hände behalten oder schmutzige riskieren?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2021
Rezensent Paul Jandl zeigt sich entsetzt von Bernhard Schlinks "Zeitstück". Wie der Autor in seinem als Theaterstück konzipierten Text eine Gruppe von Schülern angesichts des Erstarkens einer rechten Partei über die Wiederholung von Geschichte und Möglichkeit und Sinn des Tyrannenmords diskutieren lässt, das hat für ihn in der Tat etwas Pennälerhaftes. Der pädagogische Duktus des Stücks und seine allzu einfachen historischen Analogien hängen für Jandls Empfinden einfach zu tief. Geradezu peinlich berührt scheint der Rezensent von der Fülle der Klischees im Text und den "hölzernen Dialogen".
Rezensentin Catrin Stövesand hält Bernhard Schlinks neues Werk für ein gelungenes Lehrstück über das Lernen aus der Geschichte. Vor dem Hintergrund des Jahrestages des 20. Juli 1944 entwickelt Schlink darin mit dem Personal aus Abiturienten, einem Geschichtslehrer und einem rechtsextremen Politiker laut Stövesand ein zwar weder besonders raffiniertes noch tiefgründiges Szenarium, dass jedoch das Thema Tyrannenmord in seinen Facetten gut darzustellen imstande ist. Die Ambivalenz des historischen Datums wird der Rezensentin dadurch bewusst.
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