Für die einen eisgefrorenes Niemandsland voll kampflustiger Wikinger, für die anderen Wiege der Zivilisation: Der Norden war schon immer Projektionsfläche für allerlei Fantasien. Bernd Brunner beleuchtet, wie sich das Bild des Nordens über die Jahrhunderte gewandelt hat.Lange erschöpfte sich das, was man über den Norden zu wissen glaubte, in Gerüchten und obskuren Reiseberichten - barbarische Wikingerhorden, ewiges Eis und unwirtliche Landschaften prägten viele Jahrhunderte das Bild. Doch die Wahrnehmung änderte sich, spätestens ab dem 18. Jahrhundert, als etwa das Interesse an nordischer Mythologie erwachte und Werke wie die Edda und Ossians Dichtungen als nördliche Gegenstücke zu antiken griechischen Schriften gelesen wurden - sowohl von den von der "reinen Urkraft des Nordens" angetanen Romantikern als auch jenen, die sich mehr zur Klassik hingezogen fühlten. Aus dieser Faszination entstand auch die Theorie, dass die "Urheimat der Germanen" im Norden liege (und Helgoland die Hauptstadt von Atlantis sei) - eine Idee, die in der kultischen Verehrung alles Nordischen durch die Nazis einen irregeleiteten Höhepunkt fand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2019
Nach dem Aquarium, dem Mond und dem Winter beschäftigt sich der Kulturwissenschaftler Bernd Brunner nun mit dem Norden, freut sich Rezensent Matthias Hannemann. Denn Brunner vermag anregend zu erzählen, fährt der Kritiker fort, der hier Mythen und Reisebeschreibungen aus dem Norden folgt, aber auch von den "Abgründen der Rassenkunde" oder der "Nordischen Bewegung" liest. Während Hannemann darüber hinaus auch allerhand "Nerdwissen" mitnimmt - er erfährt etwa, dass Frauen Anfang des 17. Jahrhunderts das Fährwesen auf den Aland-Inseln betrieben, gerät ihm das aktuelle Bild des Nordens mit "Hygge", "Games of Thrones" und Schwedenkrimis doch ein wenig zu dünn.
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