Bernardo Carvalho

Mongolia

Roman
Cover: Mongolia
Luchterhand Literaturverlag, München 2007
ISBN 9783630871738
Gebunden, 220 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner. Ein pensionierter Diplomat liest in Rio de Janeiro die Nachricht von der Ermordung eines Kollegen, der ihm unterstellt war, als er in Peking arbeitete. Und ihm fällt wieder ein, wie widerwillig dieser ansonsten fähige junge Mann reagierte, als er einen speziellen Auftrag ausführen sollte: Der Sohn eines einflussreichen Brasilianers, ein Fotograf, war ein Jahr davor im Altaigebirge im äußersten Westen der Mongolei verschwunden, und sein Vater verlangte, dass man sich auf die Suche nach ihm machte. Bewegt kramt der alte Diplomat Papiere hervor, die ihm sein Kollege nach der Reise aushändigte, und findet darunter zwei Tagebücher, das des verschollenen Fotografen und das seines soeben ermordeten Kollegen. Er beginnt, nach Verbindungen zu suchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2007

Hat Bernardo Carvalho in seinem zuletzt auf Deutsch erschienen Roman "Neun Nächte" vom Schicksal des Ethnologen Buell Halvor Quain erzählt, der 1939 bei den Kraho-Indianern am Amazonas Selbstmord beging, folgt er in seinem jüngsten Roman nun den Spuren eines fiktiven in der Mongolei verschollenen Fotografen, stellt Rezensent Kersten Knipp fest. Indem ein brasilianischer Beamter der Botschaft und, nachdem auch der verschwindet, sein Vorgesetzter auf die Suche nach den Vermissten geschickt wird, entsteht eine reizvolle, dreifach gebrochene Erzählperspektive, lobt der Rezensent fasziniert. Die sich mal ergänzenden, mal widersprechenden Aufzeichnungen der Reisenden lassen die spannungsreiche Diskrepanz zwischen "Schein und Sein" der Eindrücke deutlich werden und zeigen den Abstand der Interpretation der Fremden zu der ihnen unverständlichen mongolischen Kultur, was für Knipp die ihn überaus bestrickende Konstruktion dieses Romans ausmacht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2007

"Schleichende Verwirrung" bei der Lektüre dieser drei ineinander verschachtelten Texte gibt Rezensent Uwe Stolzmann zu Protokoll. Am Ende lässt ihn die Lektüre dieser ebenso ambitionierten wie "verworrenen Geschichte" äußerst unzufrieden zurück. Zwar schichte der 1960 geborene Bernardo Carvalho Balken und Scheite "für ein mächtiges Feuer" Aufeinander, "doch es will nicht brennen", seufzt der Rezensent. So recht lässt sich der Inhalt des Buchs aus der Zusammenfassung des Rezensenten nicht rekonstruieren, was mit dem (wie wir lesen, in drei verschiedene Schrifttypen gesetzten) Übereinander dreier Texte zu tun haben muss, die einander ergänzen, widersprechen, sich zum Teil wohl auch löschen. Da sind ein Toter und seine hinterlassenen Aufzeichnungen bei einem Lebenden, sowie noch ein dritter, verschwundener Mann. Man merkt, dem Rezensenten geht das undurchschaubare Werk zunehmend auf die Nerven. Am Ende charakterisiert er das Vorhaben mit einem Kafkazitat auf Seite eins des Romans: " wie nutzlos müht er sich ab..."
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