Benjamin Balint

Kafkas letzter Prozess

Cover: Kafkas letzter Prozess
Berenberg Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783946334484
Gebunden, 336 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Der berühmteste Koffer der Literaturgeschichte hätte es beinahe nicht geschafft. Max Brod hatte ihn bei sich, als er 1939 mit dem letzten Zug von Prag nach Palästina floh. Im Koffer: Manuskripte, Notate, Kritzeleien von Brods Freund Franz Kafka. So romanhaft, wie diese Geschichte beginnt, geht sie Jahrzehnte später auch weiter, und zwar als veritabler Gerichtskrimi, der erst 2016 abgeschlossen wurde. Vordergründig wurde über den Nachlass Max Brods entschieden. Schnell aber wurde klar, dass hier ganz andere Dinge verhandelt wurden. War Kafka vor allem ein jüdischer Autor? Wo ist sein Erbe richtig aufgehoben? In Israel? Oder in jenem Land, in dessen Namen Kafkas Familie einst ausgelöscht wurde? Benjamin Balint erzählt diese filmreife Geschichte, die nicht nur zeigt, weshalb die Frage, welcher Literaturnation Kafka zuzurechnen sei, zum Glück nie entschieden werden kann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.03.2019

Die Geschichte des Prozesses um den Nachlass von Frank Kafka beziehungsweise Max Brod könnte man selbst als einen Kafka-Roman erzählen, meint Natascha Freundel. Drei beteiligte Parteien gab es: Eva Hoffe, die Tochter von Max Brods Sekretärin Ester Hoffe, die Nationalbibliothek in Jerusalem und das Literaturarchiv Marbach. Aus dem Streit kann man eine Menge über das Nachleben Kafkas lernen, berichtet die Rezensentin, unter anderem, dass Israel lange Zeit mit Kafka nicht so viel anfangen konnte: Die "neuen Juden" dachte man sich als starke Söhne schwacher Väter, und bei Kafka war die Konstellation bekanntlich umgekehrt. Der Streit ging am Ende zugunsten der Jerusalemer Bibliothek aus, was Freundel nicht weiter bewertet. Aber sie zitiert Balint, der auf Max Brods Anteil am Nachlass hinweist - und der sei für Israel wichtig. Freundel kann Balints ihrer Auskunft nach bestens recherchiertes Buch, das übrigens überraschend viel Sympathie für Eva Hoffe hege, nur empfehlen.