Bas Böttcher

Megaherz

Roman
Cover: Megaherz
Rotbuch Verlag, Hamburg 2004
ISBN 9783434531326
Gebunden, 158 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Was macht man, wenn einen die große Liebe erwischt? Linus und Ariane sind Vielflieger im siebten Himmel. Er ist ein international gebuchter DJ, sie ist Stewardess mit besonderen Aufgaben. Sie treffen sich, so oft es geht, in den Metropolen der Welt. Doch die Sehnsucht nach einander wird durch die häufigen Trennungen zu groß. Linus entschließt sich, durch die Manipulation von Arianes e-mail-Server der Geliebten immer nahe zu sein. Doch in ihren Clubs, Hotelzimmern und anderen Heile-Welt-Reservaten wird die Luft immer dünner - Linus fürchtet, dass ihm auch diese einzige Beziehung entgleiten könnte. So wird er zum Detektiv auf der Suche nach Arianes Geheimnissen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.05.2005

Es gibt einige wenige Ausnahmen unter den Schriftstellern, denen es laut Tobias Rüther vergönnt ist, über Pop-Phänomene zu schreiben. Dazu gehören beziehungsweise gehörten in seinen Augen Rainald Goetz, Jonatham Lethem oder Colin MacInnes. Bei den meisten anderen wirke es anbiedernd, während die "Privatdozenten des Pop" wiederum zu theorielastig schrieben. Insofern war Rüther gespannt, wie nun einer der sogenannten Rap-Poeten, die mit ihren Live-Auftritten bei Slam Poetry-Abenden ein neues Genre im Literaturbetrieb etabliert haben, das, was Rüther ein Pop-Phänomen nennt, meistern. Gar nicht, findet er. Der Rezensent ist schlicht enttäuscht von "Megaherz". Die Liebesgeschichte zwischen einem DJ und einer ungarischen Stewardess sei im Grunde nur Vorwand, eine Beat-Grundierung für zahlreiche Wortspielereien, die auf Rüther in ihrer Gesamtheit eher ermüdend wirken. Kein Wortspiel sei dem Rap-Poeten zu banal, bedauert er und schimpft, das sei "Max Frisch, nachgeplappert für das 21. Jahrhundert". Sein Fazit: Dieser Stoff liefert seine eigene Parodie, um Poesie gehe es dabei überhaupt nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2005

Holger Noltze hält Bas Böttchers Roman für ein literarisches Armutszeugnis; da will einer verrückt und frisch sein, urteilt er gnadenlos, und ist doch bloß "kreuzbrav und formal anspruchslos". Ein DJ und eine Flugbegleiterin, die globalen Himmel kreuzend und manchmal die Wege des anderen, coole Reisende von heute, Liebe in den Zeiten der Telekommunikation, Jugendkultur und die globale Welt als "Überraschungsei" (so der Held und "Plattenleger"). Ein wenig hat es der Rezensent aber auch auf die Rap-Poesie, den Nährboden des Slam-Poeten Böttcher, insgesamt abgesehen und lästert über alle, die hier den neuen Kurzschluss zwischen Hochkultur und Jugend wittern: "Indem er als Lyrik verstandenes Gereimtes an die Steckdose der 'Jugendkultur' anschließt, produziert er einen für aufgeschlossene Deutschlehrer und Sozialpädagogen unwiderstehlichen Sound." Doch Noltze kann noch fieser werden: Am Ende vergleicht er Böttchers Roman mit einem Lied von Nicole.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.12.2004

"Kein geringes Wagnis" ist Poetry-Slammer Bas Böttcher mit seinem ersten Roman eingegangen, fidnet Rezensent Sebastian Domsch: Immerhin beraube sich der Autor in diesem stillen Text seiner Live-Performance. Und das Wagnis, so der Rezensent, darf durchaus als gelungen gelten, denn Böttcher liefere mit "Megaherz" einen "soliden und schnell geschnittenen Roman". Bemerkenswert findet Domsch dabei, dass es gerade die "gelegentlich eingestreuten Gedichtpassagen" sind, die zum Teil wie "Fremdkörper" wirken (wo Böttcher doch eigentlich Poet ist) und wie "unnötige Versuche des sprachlichen Tiefgangs in einer Geschichte, die wie ein flacher Kiesel über glitzernde Wasseroberflächen hüpft". Dies, so der Rezensent, tun auch die beiden Protagonisten: der tourende DJ Linus und die Stewardess Ariane, beide stets in Bewegung. Ihre Liebesbeziehung ist dementsprechend ein Hangeln von Hotelzimmer zu Internetchat, ein ständiges "Surfen" nach dem Motto: "Innehalten würde versinken bedeuten." Doch irgendwann wolle Linus mehr, was natürlich zu Verwicklungen führe. Wirklich Neues habe "Megaherz" nicht zu bieten, jedoch bediene Böttcher den bereits bekannten pop-literarischen Ton durchaus gekonnt. Und gerade dass ein Roman, der von DJs und Stewardessen handelt, sich nicht im hippen Name-dropping verliert, sondern wirklich eine Geschichte erzählen will, rechnet ihm der Rezensent hoch an.
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