Barbara Gowdy

Hilflos

Roman
Cover: Hilflos
Antje Kunstmann Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783888974625
Gebunden, 285 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Die neunjährige Rachel ist das große Glück in Celia Fox Leben. Ein Kind aus einer Liebesnacht, den Vater hat sie danach nie wieder gesehen. Ein auffallend schönes und aufgewecktes Mädchen, das alle Blicke auf sich zieht, nicht nur die von Fotografen, die auf der Suche nach Models sind. Blicke, die Celia beunruhigen. Rachel weiß das und verheimlicht ihrer Mutter, dass da ein Mann in einem weißen Lieferwagen vor ihrem Haus parkt, derselbe, den sie schon vor ihrer Schule bemerkt hat. Was ist das für ein Mann, der einen Reparaturdienst für Haushaltsgeräte hat, alte Staubsauger sammelt und so oft es geht vor Schulhöfen parkt, um kleine Mädchen zu beobachten? Der einsam ist und sensibel und plötzlich von einer so heftigen Liebe zu einem Kind ergriffen wird, dass er es für sich haben will? Ein Monster? Von der Liebe erzählt Barbara Gowdy in ihrem neuen Roman und von der Hilflosigkeit, Schutz zu bieten in einer Welt, in der die Sicherheiten verloren gegangen sind. Die atemberaubende, mit großer Spannung und Empathie erzählte Geschichte einer Entführung, literarisch so gekonnt, dass die Koinzidenz mit dem wirklichen Leben wie eine gespenstische Nacherfindung erscheint.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2007

Provozierend und schwer erträglich wirkt Barbara Gowdys Roman über eine Kindesentführung auf Rezensentin Bernadette Conrad, zumal er sie sehr an das Schicksal der jungen Österreicherin Natascha Kampusch erinnert. Die Geschichte über Ron, der seine Freundin Nancy dazu überredet, die neunjährige Rachel zu entführen, indem er ihr vorgaukelt, das Kind würde von seinen Eltern misshandelt, scheint ihr überaus fesselnd. Die Spannung ergibt sich für sie vor allem daraus, dass die Gefühltswelt der vier mit Rachels Schicksal verstrickten Erwachsenen gleichermaßen zu Wort kommt. Das macht die Lektüre ihres Erachtens aber auch sehr belastend. Gleichwohl hält sie die literarische Verarbeitung eines solchen Themas für legitim. Im vorliegenden Fall scheint ihr das letztlich allerdings nicht immer gelungen. So hält sie fest, dass es "größerer literarischer Kunst und tieferen Nachdenkens" bedürfte, "um das zum Himmel schreiende Ungleichgewicht zwischen den beiden um ein Kind kämpfenden Parteien" zu erörtern.
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