Klappentext

Wenn einer nicht mehr denken kann wie früher, was ist das für ein Leben? Arno Geigers Vater hat Alzheimer. Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen. Arno Geiger erzählt, wie er nochmals Freundschaft mit seinem Vater schließt und ihn viele Jahre begleitet. In nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätzen entdeckt er, dass es auch im Alter in der Person des Vaters noch alles gibt: Charme, Witz, Selbstbewusstsein und Würde. Arno Geigers Buch ist lebendig, oft komisch. In seiner tief berührenden Geschichte erzählt er von einem Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.02.2011

Arno Geiger hat kein Buch über Alzheimer geschrieben, sondern ein Buch über einen Vater, meint Dirk Knipphals nach der Lektüre von "Der alte König in seinem Exil" anerkennend. Und das ist wirklich beachtlich, werden doch alle mit der Krankheit verbundenen Schreckensvorstellungen genau beschrieben. Dass Geiger dennoch der heikle Versuch gelingt, auch den aus der Erkrankung gezogenen Gewinn einer veränderten, emotionalen Vater-Sohn-Beziehung und einer neuen Sicht auf die Welt zu schildern, liegt für Knipphals an der Einfühlsamkeit und der "Zartheit" mit denen der Autor sich seinem Vater und dessen Krankheit nähert. Ebenso schleichend wie die Anfänge der Krankheit gestaltet Geiger die Annäherung an den Vater: Steht zunächst dessen Vergangenheit, insbesondere seine Kriegserlebnisse im Mittelpunkt der Erzählung, rückt nach und nach das neue, ambivalente Zusammensein mit dem kranken Vater in den Vordergrund.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.02.2011

Unangenehm scheint es Ulrich Stock gewesen zu sein, dieses Buch zu lesen, unangenehm schreibt er zurück. Wie Arno Geiger hier seinen demenzkranken Vater zu "Material" macht, mochte er nicht, wie er versucht, in der Krankheit einen Sinn zu finden, mochte er nicht, und auch nicht, wie sich Geiger am magischen Potenzial der väterlich-wirren Worte berauscht. Stock erinnert das ein wenig an die Begeisterung für "Meisterwerke, die von Irren gemalt werden". Das macht Stock nicht mit, die Psychiatrie sei kein Ersatz für die Kunstakademie. Und es kann zwar sein, dass Demenz die Krankheit unserer Zeit sei, aber wenn dann nur, weil nie zuvor so viele Menschen so alt geworden sind. Kein Grund, sich nach den guten alten Zeiten zurückzusehnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2011

Christopher Schmidt mag dieses Buch nicht, und vielleicht mag er auch den Autor nicht. Arno Geiger schreibt über die Demenz seines Vaters, aber den Rezensenten kann er damit überhaupt nicht berühren. Im Gegenteil. Schmidt sieht hier auf eine Art, die er mal gönnerhaft, mal unterschwellig aggressiv nennt, den kranken Vater und seine Fehlleistungen ausgestellt, wie es sonst nur Eltern mit ihren Wunderkindern tun. In den Reflexionen des Autors sieht er kaum mehr als gefühlige Einlassungen, Bildungshubereien oder eine zweifelhafte Überhöhung der Krankheit zur heldenhaften Selbstverweigerung gegenüber der Turbogesellschaft. Diese Form der Kulturkritik hat der Rezensent auch schon in Jonathan Franzens Essay "Das Gehirn meiens Vaters" entdeckt, ebenso wie einige auch bei Geiger auftauchende Motive, und schon damals haben sie ihn nicht überzeugt. Schließlich versteigt sich der verärgerte Rezensent zu der Vermutung, dass es sich bei dieser vorgeblichen Vatererhöhung um eine verkappte Abrechnung handelt. Und Ausplünderung.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2011

Dieses Buch kann eine Menge. Zum Beispiel lehrt es den Rezensenten Franz Haas mit aller Bescheidenheit das Glück eines intakten Gedächtnisses. Oder es erzählt leise absurde Szenen aus dem Leben ohne Gedächtnis. Beides zusammen, der Blick auf die Krankheit und der Blick auf das eigene (noch) unversehrte Leben, den heilen Körper, den funktionierenden Geist, macht für Haas den besonderen Reiz des Buches von Arno Geiger aus, der seinen Vaters auf dem Weg in die Demenz begleitet. Über das Taktvolle und die Einfachkeit des Textes ist der Rezensent froh. Und dass zum Peinvollen auch etwas Tröstliches kommt, wenn manche Stelle im Buch ihm auch ins Gebein fährt. Alles ist Bericht und nicht Fiktion, weiß Haas, ist Umwertung der Werte aus einer besonderen Erfahrung, die er dankbar ist, als Leser mit dem Autor zu teilen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.02.2011

Arno Geigers jüngstes Buch über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters nimmt Judith von Sternburg als erneuten Beweis seiner überragenden literarischen Qualitäten. Was leicht zum "Fiasko" hätte werden können, wird unter den Händen dieses reflektierten Schriftstellers zur von offensichtlicher Zuneigung getragenen Geschichte des Vaters und seiner fortschreitenden Krankheit, der der Autor sogar "literarisches Potenzial" abliest, wie die Rezensentin mitteilt. Dass es Geiger gelingt, die Erkrankung als Metapher zu lesen, ohne banal zu werden, ringt Sternburg Respekt ab, und sie lässt sich zudem einmal mehr von der einfühlsamen Beobachtung des Autors beeindrucken. Einziger Wermutstropfen dieses Romans sei, dass sich jetzt vielleicht auch Unberufene inspiriert fühlten, über ihre Erfahrungen zu berichten, fürchtet die Rezensentin, die die von Geiger hier demonstrierte "Geschmackssicherheit" allerdings nicht vielen zutraut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2011

Rezensentin Felicitas von Lovenberg würdigt Arno Geigers Buch über seinen dementen Vater als "wertvollste Lektüre des Frühjahrs?. Der schmale Band ist in ihren Augen kein Buch über Demenz, keine Familienaufstellung, keine Abrechnung des Sohns mit seinen Vater. Sie sieht darin in erster Linie eine kluge, bedeutende Reflexion über Alter und Krankheit, Heimat und Familie sowie eine Liebeserklärung Geigers an seinen Vater. Dass der Autor an keiner Stelle klagt oder sich egozentrisch in den Mittelpunkt stellt, dass er sich auf die Krankheit des Vaters einlassen kann, ohne sie zu beschönigen, und diesem wieder nahe kommt und mit ihm viele glückliche Momente verbringt, hat sie beeindruckt und berührt. Insofern scheint ihr das Werk auch wie das Gegenstück zu Tilman Jens' Abrechnung mit seinem dementen Vater Walter Jens.
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