Arnis Vilks

Im Griff der unsichtbaren Hand

Mythos, Mathematik und Macher der Märkte
Cover: Im Griff der unsichtbaren Hand
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783787350087
Kartoniert, 158 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Vor rund 250 Jahren erschien Adam Smith' "Wealth of Nations". Eine seiner prägnantesten Thesen ist der Slogan von der "unsichtbaren Hand des Marktes". Damit gemeint ist die Überzeugung, dass Wettbewerb und Märkte die Tendenz haben, die unzähligen individuellen wirtschaftlichen Entscheidungen, die täglich auf der Welt getroffen werden, in ein gesellschaftlich optimales Gleichgewicht zu bringen. Der Ökonom Arnis Vilks zeigt in seiner Studie, wie Smith' These zum "harten Kern" eines Forschungsprogramms und etwa seit den 1970er Jahren zum herrschenden Paradigma der Volkswirtschaftslehre wurde, obwohl es immer auch andere, wohlbegründete konkurrierende Auffassungen gab. Nicht zuletzt die Vergabe von Nobelpreisen an prominente Propagandisten des neoliberalen Weltbilds sorgte dafür, dass die damit verbundenen ökonomischen Ideen in die Köpfe von Politikern einsickerten. Durch Deregulierung, Privatisierung und Steuersenkungen, von denen naturgemäß die bereits Vermögenden profitierten, wurden infolgedessen auch die Rolle und das wirtschaftliche Vermögen der staatlichen Institutionen zugunsten der Akkumulation und Konzentration privaten Vermögens reduziert.Der Neoliberalismus, dessen Genese im volkswirtschaftlichen Denken Vilks nachzeichnet, wirkte weit über "Thatcherismus" und "Reaganomics" hinaus - die Politik etwa eines Donald Trump oder eines Javier Milei zeigt, dass er bis heute zu radikalen Maßnahmen zu führen vermag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2026

Rezensent Achim Brosch folgt Arnis Vilks insgesamt gern bei dessen Versuch, die Karriere der Metapher von der unsichtbaren Hand nachzuzeichnen. Ursprünglich von Adam Smith eher nebenbei eingeführt, besagt sie, dass Märkte dann besonders gut funktionieren, wenn die einzelnen Marktteilnehmer über ihren Kapitaleinsatz frei verfügen können. Dass Smith keineswegs einem Nachtwächterstaat das Wort redete, geriet in der Folge tendenziell in Vergessenheit. Bei Vilks kann man nun nachlesen, wie die unsichtbare Hand zunächst zum Gegenstand mathematischer Modellierung wurde, wobei sich rasch zeigte, dass die behaupteten Effekte stets nur unter bestimmten Umständen eintreten. Eine entscheidende Wende nimmt die Debatte allerdings, sobald sich nicht mehr mathematische, sondern institutionell-politische Interesse an der unsichtbaren Hand abarbeiten - bis hin in unsere Gegenwart, siehe Milei und Co. Der elegant essayistisch geschriebene Text hat selbst laut Brosch ein paar Leerstellen, so fehlen etwa Themen wie Staatsquote und Schuldenabbau, auch geht der Autor zu weit, findet Brosch, wenn er aufgrund neuerer mathematischer Erkenntnisse die unsichtbare Hand insgesamt als erledigt betrachtet. Dennoch ist Vilks ein starkes, beziehungsreiches Buch gelungen, so der Tenor der Besprechung.