Aris Fioretos

Die halbe Sonne

Ein Buch über einen Vater
Cover: Die halbe Sonne
Carl Hanser Verlag, München 2013
ISBN 9783446241213
Gebunden, 192 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Die Geschichte eines griechischen Vaters, rückwärts erzählt - vom Tod auf der Pflegestation bis zurück in die Zeit vor dem ersten Kind, als der Vater noch kein Vater war. Als Neunzehnjähriger verlässt dieser Anfang der fünfziger Jahre seine Heimat und kann wegen der Militärdiktatur lange nicht zurückkehren. In Wien studiert er Medizin, in Schweden heiratet er eine Kunststudentin aus Österreich. Schließlich geht er nach Griechenland zurück, um eine neue medizinische Fakultät und ein Zuhause für seine Familie aufzubauen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.05.2013

Sehr beschwingt und ideenreich bespricht Rezensentin Jutta Person dieses zwischen den Gattungen schwankende Erinnerungsbuch - halb ist es fiktiv, halb autobiografisch. Hinter dem Vater ist unschwer der griechische Vater des schwedischen Sohnes einer österreichischen Mutter zu erkennen, so Person, aber es gibt auch Distanzen zwischen realem und Erzählersohn. Besonders gefällt ihr an dem Buch der spielerische Ansatz, der sich für sie in dem Wortspiel "Repaparatur" manifestiert. Weder geht es in dem Buch um Abrechnung noch um Verklärung der eigenen Herkunft - die beiden Muster solcher Erinnerungsbücher -, sondern es ist ein Hommage, ein "zärtliches Vaterporträt", lobt Person.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.05.2013

Viel Freude hatte Rezensent Ulrich Rüdenauer bei der Lektüre dieses "Erinnerungs- und zugleich Selbstvergewisserungsbuchs", das nicht allein als autobiografischer Versuch des Autors, ein Bild des eigenen Vaters zu rekonstruieren, bestehe, sondern vor allem auch als (zudem sorgfältig übersetzte) Literatur hohen Rangs, die den Leser zur Reflexion über die eigene Herkunft anrege. Der Vater des Autors war ein Grieche, den der Militärputsch 1967 dazu zwang, seinen Studienaufenthalt in Österreich und Schweden zum permanenten Exil auszudehnen, erklärt der Rezensent, der diesen Mann und sein Schicksal durch seinen Sohn Fioretos über eine Fülle von genau beobachteten Details kennenlernt. Dazu zählt nicht nur die Sprache, sondern insbesondere auch Gestik und Mimik, die Fioretos mit stilistischer Vielfalt beschreibe. Bei dieser Puzzlearbeit gelingen dem Autor großartige Bilder, konstatiert der Rezensent. Er habe bei der Lektüre angefangen, sich selbst Geschichten aus der eigenen Vergangenheit zu erzählen, bekennt er.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.05.2013

Ursula März gibt im ersten Viertel ihrer Kritik zu erkennen, dass sie den Autor dieses Buchs persönlich kennt und wie seine elegant-mediterrane Erscheinung von der schwedischen Herkunft abzustechen scheint: Aber er ist Sohn eines Griechen, in Schweden sozialisiert, und die Geschliffenheit seines Wesens konnte er in seiner Eigenschaft als Kulturattaché in Berlin noch weiter polieren. Nachdem die Rezensentin endlich ihren Blick von der Erscheinung des Autors abwenden konnte, blickt sie auf den Vater, dessen ebenfalls elegant-mediterrane Erscheinung bereits das Cover des vorliegenden Buchs ziert. Um ihn geht es: Das Buch besiegelt für März das Ende einer Literaturgattung: Mit Vätern wird nicht mehr abrerechnet, im Gegenteil: Fioretos schreibt dem Vater eine zärtliche Hommage, aus Buchstücken und ziselierten Miniaturen. Es handelt sich um eine Anverwandlung, die laut März in einer zentralen Passage des Buchs - der Sohn durfte den Anzug des Vaters von besagtem Cover-Bild auftragen - auch thematisiert wird. März liest "Die halbe Sonne" als einen "Nekrolog auf ein Vatermodell" und kann es als einen solchen uneingeschränkt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2013

Nach der Lektüre von Aris Fioretos' neuem Buch "Die halbe Sonne" ist Rezensentin Wiebke Porombka ganz verzaubert. Selten hat die Kritikerin ein so "melancholisches" und zugleich unfassbar amüsantes Buch über die Erinnerungen an einen verstorbenen Vater gelesen. Fioretos gelinge es in Prosaminiaturen, kleinen Szenen und teils ernsten, teils witzigen Thesenkatalogen das Wesen seines Vaters zusammenzusetzen, lobt die Rezensentin. Und so liest sie gebannt, wie der zuletzt an Demenz und Parkinson leidende alte Mann in den Erinnerungen des Sohnes Schritt für Schritt immer vitaler wird, wie er als junger Arzt und ebenso fürsorglicher wie egozentrischer Vater von vier Kindern seine Heimat Griechenland in Richtung Schweden verlässt und das Leben des Sohnes prägt. Ein wunderbar "sinnlich" erzähltes Buch, jubelt Porombka.
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