Antonio Lobo Antunes

Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben

Roman
Cover: Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben
Luchterhand Literaturverlag, München 2015
ISBN 9783630874241
Gebunden, 576 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann. Was bleibt vom Leben, wenn man alles verloren hat? Eine Frau Anfang fünfzig hält Rückschau auf ihr Leben: Es sind nur drei Tage, die sie im einstigen Ferienhaus ihrer Familie verbringt, um Abschied zu nehmen, weil das Haus verkauft worden ist. Doch in diesen drei Tagen stürzt das ganze Drama ihrer Existenz über sie herein, und ihre Erinnerungen an die glücklichen Tage der Kindheit weichen einem immer bedrohlicheren Strudel der Verzweiflung …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.01.2016

Für Eberhard Geisler ist Antonio Lobo Antunes unbestritten ein Meister der inneren Verstörung, der Niedergang, Trauma und die Wehrlosigkeit des Ichs konsequent in Szene setze. Doch mit diesem Roman verliert er den Rezensenten als Leser. Wenn der portugiesische Romancier von einer Familie erzählt, deren Mitglieder allesamt durch Krankheit oder widriges Schicksal gestorben, versehrt oder verloren sind, sieht Geisler sich mit einem "eruptiven Erzählen" konfrontiert, dessen disparate Detailliertheit ihn nur noch erschöpft. Dass Lobo Antunes ein solch "pathogenes Stimmengwirr" auf ihn niederprasseln lässt, hätte sich Geisler vielleicht noch gefallen lassen, doch dass Lobo Anunes dem nichts entgegensetzt, verdirbt dem Rezensenten die Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2015

Meike Fessmann beobachtet fasziniert die "Strategien der Verklärung", mit denen António Lobo Antunes vor ihren Augen die tristen Kindheitserinnerungen seiner Protagonistin, einer zweiundfünfzigjährigen Lehrerin mit Selbstmordabsichten, zu einem Zufluchtsort umwandelt. Nur kurz flackert die wahre Bedeutung auf und schon wird sie überlagert von anderen, ihrem Bedürfnis gemäßeren, erklärt die Rezensentin. Der Bewusstseinsstrom ist eines der Mittel, für die Antunes berühmt ist, weiß Fessmann, und tatsächlich liegt in dem feinen Anhäufen von Bildern die besondere Stärke dieses Romans, der weit stiller ist als Antunes bisherige Werke, so die Rezensentin.
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