Mit Notenbeispielen. Gerhard stellt die These auf, dass erst die in London, der musikalischen Hauptstadt des 18. Jahrhunderts, erprobten neuen Mechanismen musikalischer Öffentlichkeit die europaweite Durchsetzung unseres Begriffs "klassischer" Musik möglich machten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2005
Als ebenso fundiert wie anregend lobt Christian Wildhagen diese Studie des Musikwissenschaftlers Anselm Gerhard, die eine neue Sicht von Persönlichkeit, Werk und Ästhetik Muzio Clementis bietet - eine Sicht, die dem Komponisten weit mehr gerecht wird, als das negative Urteil, das Mozart und die Nachwelt über ihn fällten. Einig ist sich Wildhagen mit Gerhard darin, dass eine sinnvolle Würdigung Clementis, der als 14-Jähriger in die Musikstadt London kam, grundlegend anderer ästhetischer und mentalitätsgeschichtlicher Maßstäbe bedarf, als sie etwa eine Studie zur Wiener Klassik erfordert. Entsprechend umfassend und teilweise interdisziplinär gehe Gerhard sein Thema an und komme so zu Ergebnissen, die für die europäische Musik insgesamt von Belang sind. Gerhard zeige, dass Clementis Klaviersonaten als exemplarische Verkörperungen des daraus erwachsenen Klassizismus gelten können, was er anhand eingehender Untersuchungen zu Formkonzepten, Satzfaktur und Stilistik der Musik belege. "Am Ende steht die frappierende Erkenntnis, dass Clementi, geprägt vom klassizistischen Leitgedanken der 'Einheit in der Mannigfaltigkeit', eine motivische Durchdringung und Verdichtung aller kompositorischen Parameter erreicht, die derjenigen bei Beethoven nicht nachsteht."
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