Annika Boentert

Kinderarbeit im Kaiserreich 1871-1914

Diss.
Cover: Kinderarbeit im Kaiserreich 1871-1914
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2007
ISBN 9783506713575
Kartoniert, 476 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Obwohl die Kinderarbeit im 19. Jahrhundert nach wie vor zu den Standardthemen im Geschichtsunterricht gehört, ist ihre wissenschaftliche Aufarbeitung bisher überraschend lückenhaft geblieben. In ihrem Mittelpunkt stand meist die Fabrikarbeit, während die zahlenmäßig sehr viel größeren Sektoren - die Hausindustrie, die Landwirtschaft und der Dienstleistungsbereich - nur am Rande erwähnt wurden. So blieben viele Fragen offen: Welche Arbeitszeiten z. B. hatte ein Hütejunge, was verdiente ein Kegelaufsetzer, gab es einen gesetzlichen Schutz für schulpflichtige Dienstmädchen? Wer setzte sich für die arbeitenden Kinder ein, warum und mit welchem Erfolg? Durch die Auswertung wenig bekannter Statistiken, die Schilderung typischer Einsatzbereiche (Zigarrenindustrie, Landwirtschaft u. a.) und einen internationalen Vergleich der Gesetzgebung leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur Korrektur dieser Schieflage. Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Wirtschaftszweige führt zu einer Neubewertung der Einflussfaktoren, die den institutionellen Wandel der Kinderarbeit maßgeblich prägten: Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts rücken stärker ins Blickfeld, wichtiger als ökonomisch-technische Rationalisierungsbemühungen wird das Engagement politischer Persönlichkeiten und wichtiger Verbände.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2007

Höchst instruktiv scheint Rezensentin Antonia von Alten diese umfangreiche sozialgeschichtliche Studie über Kinderarbeit im Kaiserreich, die Annika Boentert vorgelegt hat. Neben einer eingehenden Darstellung der Entwicklung der Kinderarbeit, ihrer Ausmaße und Formen während der Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland findet sie darin auch eine eingehende Schilderung der Gesetzeslage und der politischen Auseinandersetzung zu diesem Thema. Die Rezensentin attestiert Boentert in diesen Zusammenhang, eingehend die entsprechenden Debatten im Reichstag zu schildern. Die Autorin zeigt ihres Erachtens auf, dass entgegen der landläufigen Meinung nur ein kleiner Teil der Kinder in den Fabriken arbeitete, die Mehrzahl der Kinder dagegen in der Hausindustrie, der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor eingesetzt wurden. Besonders verdeutlicht die Studie in ihren Augen auch das völlig andere Verständnis von Kindheit, das noch vor 100 Jahren herrschte, als man Kinderarbeit als notwendig und normal betrachtete.
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