Klappentext
Seit über einem Vierteljahrhundert erfindet die "Skeptikerin der sprachlichen Konvention" Anne Weber sich und ihr Ausdrucksmittel mit jedem Buch neu. Sie lauscht der Muttersprache Deutsch sowie dem für sie zur Heimat gewordenen Französisch die Tücken und Finessen ab, entdeckt im Alltag und Kleinen das jeweils Ungewöhnliche, Heroische, um all dem die Form zuteilwerden zu lassen, die ihm eignet. Dazu braucht es nicht nur Neugierde und Entschlossenheit, es braucht vor allem, wie Anne Weber in ihren Reden und Essays über Literatur, Kunst und Sprache beweist, den Mut, das eigene Gewissen und Wissen beständig zu hinterfragen - denn nur so ist man imstande, den Standpunkt einzunehmen, von "wo in weiter Ferne etwas Unergründliches zu sehen ist". Ob in erzählender Form, in biografischen Annäherungen oder poetischen Essays - stets sucht Anne Weber nach jener Balance zwischen Nähe und Distanz, die Denken erst in Bewegung bringt.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.05.2026
Sehr gern folgt Rezensent Nico Bleutge Anne Weber bei ihren Reflexionen über das Schreiben. Versammelt sind hier Essays und Reden aus 25 Jahren, die sich genau genommen mit gleich drei Themen beschäftigen, neben dem Schreiben geht es auch ums Übersetzen und ums Lesen. So denkt sie zum Beispiel darüber nach, wie sich ihr Schriftstellerinnendasein in Extremen bewegt, manchmal geht gar nichts und dann wieder "haben wir die Kraft, die Richtung des Regens umzukehren", zitiert der Kritiker. Beweglich sind die Gedanken, die sich Weber hier macht und in allen "Bedeutungsfächern" entfaltet, unter anderem plädiert sie immer wieder fürs Selberdenken und auch als "Vertreterin des sokratischen Zweifels", die Wert darauf legt, dass alles Wissen relativ ist. Die Passagen zum Übersetzen stellen die Frage in den Mittelpunkt, was es bedeutet, zwischen zwei Sprachen, wie in ihrem Fall Deutsch und Französisch, zu leben. Sehr gut gefallen dem Kritiker die Abschnitte über Webers Lektüren, die spannende Entdeckungen bereithalten, zum Beispiel den französischen Schriftsteller Éric Chevillard. Der besaß einen literarischen "Zauberblick", so Bleutge, und den beweist Weber hier auch.
Kommentieren

