Aus dem Englischen von Marie Luise Knott. Eine Frau und ein Mann pilgern auf dem Jakobsweg. Ein anderer Mann und eine andere Frau - oder sind es dieselben? - reisen durch die Rocky Mountains nach Los Angeles. Ein Schwimmer erobert sich einen Waldsee. Erkundungsreisen, in denen sich das ewige Staunen über das Leben und die Verschiedenheit von Männern und Frauen mit intensiven mitunter surrealen Landschaftsbildern mischen. Inspiriert von der Kunst des Haibun, dessen erzählerische Kraft in aller Schlichtheit unmittelbares Erleben mit Gedankenbildern berühmter Dichter und Mönche aus vergangenen Zeiten in Einklang setzt, erkundet die Lyrikerin Anne Carson die Kraft der suchenden Bewegung. Ihre Worte und Gedanken fließen, sprudeln, rauschen und stauen sich, hüpfen und verlieren sich wieder. Die intensiven Momentaufnahmen, in denen Carson ganz nebenbei eine Anthropologie der Geschlechter unternimmt, offenbaren die Spannweite der Dichterin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2015
Jan Volker Röhnert kennt Anne Carson als Spezialistin für hybride Textsorten. In dieser Funktion tritt die Dichterin dem Rezensenten auch in diesem Band virtuos entgegen. Die Entdeckung wert sind die im Band versammelten Texte, die Lyrik, Prosa, Pop und anthropologische Erkenntnisse miteinander kreuzen, laut Röhnert, da sich Verbindungen ergeben, die dem Leser nicht im Traum einfallen. Gelehrsamkeit und Humor, Sinnlichkeit und Staunen findet er bei Carson, wenn die Autorin persönliche Pilgerreisen und Naturerlebnisse zum Anlass nimmt, um mit "tiefsinnig-kuriosen" Bildern und sprachlichen Volten Geistesblitze zu erzeugen.
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