Anna Bers (Hg.)

Frauen | Lyrik

Gedichte in deutscher Sprache
Cover: Frauen | Lyrik
Reclam Verlag, Stuttgart 2020
ISBN 9783150113059
Gebunden, 879 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers. Über 500 Gedichte von Autor*innen aus zehn Jahrhunderten - diese Anthologie eröffnet einen neuen Blick auf Lyrik von, über und unter Frauen. In Auswahl und Aufbau einzigartig nimmt diese Sammlung vier verschiedene Perspektiven ein: Die erste Perspektive bietet Gedichte, die bereits Teil der unterschiedlichsten Kanonbildungen in der Vergangenheit sind; die zweite nimmt literaturgeschichtlich beispielhafte Gedichte in den Blick. Eine dritte Gruppe versammelt Gedichte mit besonderer emanzipatorischer Stärke; eine vierte widmet sich Gedichten von Autor*innen aller Geschlechter, die textuell die Sicht einer Frau einnehmen. In dieser multiperspektivischen Betrachtung ergeben sich Überschneidungen, aber auch spannende Widersprüche und überraschende Gemeinsamkeiten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.04.2021

Freudig, wenn nicht gar begeistert würdigt Rezensent Arno Widmann diese Anthologie, häufig zitierend - mal ein Gedicht, vor allem aber aus dem Nachwort der Herausgeberin Anna Bers. Die "Transparenz" ihrer Sammlung, die Erklärung, nach welchen "Kriterien" ausgewählt wurde, gefällt ihm außerordentlich. Dass hier "Autor*innen aller Geschlechter, die textuell eine weibliche Perspektive einnehmen", so zitiert er die Herausgeberin, gesammelt sind, findet der erfahrene Kritiker eine "gewagte" Perspektive. Aber sie gefällt ihm - und er prüft sie gleich eifrig nach bei Heinrich von Kleist. Gern bietet er seiner Leserschaft seinen Schrecken an über Agnes Miegels Hitlergedicht und seine Begeisterung über Sidonie Hedwig Zäunemanns Freiheitsbegehren. Mit anderen Worten: Arno Widmann findet die Lektüre außerordentlich lohnend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2020

Rezensent Christian Metz könnte sich auch noch weiter gefasste Anthologien zum Thema Frauenlyrik vorstellen als die von Anna Bers. Warum kommt die Instagram-Poesie im Band nicht vor, warum nicht Lyriklieblinge wie Julia Engelmann, fragt er. Metz hat den Verdacht, dass der Auswahl ein "hochkulturelles" Lyrikverständnis zugrunde lag. Dennoch: Was für ein Buch!, jubelt er, liest sich vom Mittelalter bis in die Gegenwart, spürt Dichterinnen-Nachbarschaften Funken schlagen und stellt fest, dass Lyrik von Frauen gar nicht "per se einen emanzipatorischen Akt einschließt". Die Leistung von innovatorischen Dichterinnen im Band strahlt da allerdings umso heller, entdeckt Metz. Kurzbiografien, Register und Nachwort bilden laut Rezensent einen schwer erarbeiteten diskursiven Rahmen der Sammlung.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.10.2020

Für die Rezensentin Insa Wilke ist Anna Bers' Anthologie ein Epochenwerk. Denn Ziel des 900 Seiten starken Bandes, der Texte von und über Frauen versammelt, sei es nicht bloß, Dichterinnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen, sondern die Konstruiertheit unseres binären Geschlechtersystems herauszustellen, meint Wilke. Das gelinge der Herausgeberin durch die vielseitige, kanonkritische Zusammenstellung (Texte von Ingeborg Bachmann, Lady Bitch Ray und Heinz Erhardt stehen hier nebeneinander), sowie durch "Lektürepfade" und ein "umsichtiges" Nachwort, lobt die Rezensentin. Ein "kulturgeschichtliches Porträt", das mit seiner "offenen Haltung" besticht, meint sie.

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