Eigentlich ist es ganz normal, dass Till von seiner Mutter geweckt wird. Doch was soll das für ein Sommermorgen sein, an dem nicht die Sonne, sondern der Mond am Himmel steht? Ein Frühstück bei Mondlicht, ein Schulausflug in den düsteren Nachtwald - alle tun so, als sei das völlig normal. Wer ist denn hier verrückt geworden, Till oder der Rest der Welt?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2000
In einer Sammelbesprechung rezensiert Ursula Sinnreich vier Kinderbücher, die sich mit dem Thema „Nacht“ beschäftigen.
1) Wolf Erlbruch: "Nachts" (Verlag Peter Hammer)
„Ein kleines Meisterwerk“ nennt Ursula Sinnreich dieses Buch, in dem ein kleiner Junge an der Hand seines Vaters durch die Nacht spaziert. Aber anders als der Vater macht der kleine Fons bei diesem Spaziergang die fantastischsten Entdeckungen. Sinnreich lobt ganz besonders die Illustrationen, bei denen sich Erlbruch auch der Collage-Technik bedient habe. Als Beispiele dafür zählt sie unter anderen die Mondsichel auf, die aus „Landkartenmaterial“ besteht und ein Hasenkleid, das aus „Infinitesimalrechnungsübungen“ zusammengeschnitten ist. Darüber hinaus habe der Illustrator mit geschickter Hand fantasievolle Bilder gemalt, durch die „das Land der Träume Wirklichkeit geworden“ zu sein scheint.
2) Anke Pitschmann/Eveline Pitschmann-Meier: "MondTag" (Verlag Pro Juvente)
Die Idee, was wohl passieren würde, wenn tagsüber der Mond anstelle der Sonne scheinen würde, scheint der Rezenentin sehr gut zu gefallen. Denn dadurch verändere sich nicht allein die Wahrnehmung, sondern auch die Sprache: man läuft Gefahr, sich einen „Mondbrand“ zuzuziehen und mit Hilfe eines „Mondschirms“ schützt man sich vor grellem Licht. Der „traumhaft unwirkliche Charakter“ der Bilder entstehe vor allem durch die Perspektive. Pitschmann-Meiers Bilder suggerieren eine Blick aus der Höhe bzw. großer Entfernung, wodurch die „Räume weder eine untere noch eine obere Begrenzung zu haben scheinen“.
3) Jacques Duquennoy: "Gespenster Operation" (Ars Edition)
„Ein überaus witziges Bilderbuch“ ist die „Gespenster Operation“ nach Ansicht der Rezensentin. Dabei sieht sie nicht nur die „sich seuchenhaft ausbreitenden Arzt-Serien“ im Fernsehen auf die Schippe genommen. Mit großer Sympathie schildert Sinnreich die Leiden des armen Gespenstes, dessen innere Uhr nicht mehr richtig tickt und das von Gespenster-Ärzten ganz professionell im Gespenster-OP kuriert wird. Dass dabei auch Gespenster ins Schwitzen kommen, erwähnt sie genauso begeistert wie die „liebevoll zittrige“ Zeichnung, mit der der Illustrator den „flatterhaften“ Patienten dargestellt habe.
4) Coby Hol: "Als der Mond aufging" (Nord Süd Verlag)
Die Bilder dieses Buches findet Ursula Sinnreich in „ihrer klaren Einfachheit bemerkenswert“. Sie lobt die Farben und den Anschein, als ob die Formen „aus Papier und Stoffbahnen“ ausgerissen worden seien. Allerdings stellt sie in dieser Hinsicht einen Kontrast zum Inhalt der Geschichte bzw. den vermittelten „Konventionen“ fest. Denn von dem moralisch erscheinendem Unterton des Buches, in dem der Mond zur Strafe für mangelnde Dankbarkeit seine runde Form einbüßt, ist die Rezensentin nicht gerade begeistert.
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