Aus dem Englischen von D. Niehaus. Im Internet tobt ein neuer Kulturkampf. Auf der einen Seite steht die Neue Rechte (Alt-Right), die von einst obskuren neoreaktionären und rechtsextremen Bewegungen über nerdige Subkulturen wie 4chan bis hin zu Medienstars wie Milo Yiannopoulos reicht und entschieden zu Donald Trumps Wahlsieg 2016 beigetragen hat. Auf der anderen Seite birgt die therapeutische Sprache von "Triggerwarnungen" und "safe spaces" die Gefahr einer Kultur des öffentlichen Tribunals und des demonstrativen "Gutmenschentums".Angela Nagle erkundet die kulturelle Genealogie dieser Ästhetiken und Subkulturen und zieht Parallelen zu vergangenen politischen Phänomenen. Ihre emphatische Botschaft: Der permanente cultural turn - die Verlagerung von Politik ins Kulturelle in Form von Kulturkämpfen, die die ganze Gesellschaft spalten - muss aufgehalten werden!
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 04.10.2018
In "Die digitale Gegenrevolution" zeichnet die amerikanische Journalistin Angela Nagle die Entwicklung nach, die Trump an die Spitze der US-amerikanischen Politik, die AfD in den Bundestag und die Identitären in die Internetforen geführt hat, erzählt Rezensent Martin Eimermacher. Für sie begann alles mit der Aneignung einer "ursprünglich linken Idee subversiver Gegenkultur" im Internet durch die neuen Rechten, lesen wir. Bei der Beschreibung dieses Vorgangs kritisiert Nagle vor allem jene Vertreter des linksliberalen Mainstreams, die mit ihrer neoliberalen "Identitätspolitik" Scharen frustrierter Menschen in die Sammelbecken der Rechten scheuchten. Und obwohl die Autorin in ihren Schilderungen mit fast manischer Detailversessenheit vorgehe, findet Eimermacher ihr Buch äußerst lesenswert, weil informativ und aufschlussreich.
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