Andrew Parrott

Bachs Chor

Zum neuen Verständnis
Cover: Bachs Chor
J. B. Metzler Verlag, Stuttgart - Kassel 2003
ISBN 9783476018601
Kartoniert, 272 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Gemeinschaftsausgabe mit dem Bärenreiter-Verlag. Musikwissenschaftlich Betreuung durch Rudolf Bossard. Aus dem Englischen von Claudia Brusdeylins. Mit 28 s/w Abbildungen und 14 Notenbeispielen. Welche Art von Chor schwebte Bach vor, als er seine Kantaten und Passionen schrieb? Wie viele Sänger standen ihm in Leipzig zur Verfügung, und auf welche Weise setzte er sie in seiner eigenen Musik ein? Auf der Suche nach dem richtigen Verständnis von Bachs einzigartigem Chorschaffen unterzieht Parrott eine Vielzahl von Quellen einer Überprüfung: Bachs eigene Schriften sowie die von ihm für Aufführungen benutzten Partituren und Stimmen, dazu theoretische, ikonographische und archivalische Dokumente unterschiedlicher Herkunft, nicht zuletzt das musikalische Zeugnis seiner Vorgänger und Zeitgenossen. Das Buch enthält neben zahlreichen Bild- und Textdokumenten im Anhang auch den bisher unveröffentlichten Vortrag, mit dem Joshua Rifkin 1981 die bis heute kontroverse Debatte eingeleitet hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2004

Endlich, freut sich der Rezensent Peter Hagman, meldet sich jemand zu Wort und geht umfassend auf die Kontroverse ein, die Joshua Rifkin 1981 heraufbeschworen hat, als er verkündete, die Stimmen in Bachs Chorwerken seien eigentlich Solo-Stimmen. Andrew Parrott greife Rifkins These auf und diskutiere sie, wobei er sich vor allem auf den 1730 von Bach verfassten "Kurtzen, iedoch höchstnöthigen Entwurff einer wohlbestallten Kirchen Music" berufe. Zunächst, so Hagman, macht Parrott deutlich, dass sich die Gestaltung der Bach-Werke im Laufe der Zeit und je nach den Vorlieben der Epochen gewandelt hat: Vom stark besetzten Chor der Romantik bis hin zu den "historischen" Aufführungen, die auf alte Instrumente und einen kleinen, etwa zwölf Sänger starken Chor zurückgreifen, in dem die sogenannten "Concertisten" die Arien singen, und in den Chören und Chorälen von den "Ripienisten" unterstützt werden. Dieser Auffassung trete Parrott nun anhand einer "neuen Lektüre" von Bachs "Entwurf" entgegen. "Eingehend, sorgfältig und wissenschaftlich genau" argumentiere er, dass das teilweise erhaltene "originale Aufführungsmaterial" - sofern man es im Licht der damaligen protestantischen Kirchenmusik-Traditionen interpretiere - "eindeutig auf solistische Besetzung" schließen lasse. Wenn Parrotts Unterfangen auch dazu verurteilt ist - und das liegt in der Natur der historischen Hypothese - ein "Indizienprozess" zu sein, dessen "letztes Beweisstück" fehlt, findet der Rezensent seine Hypothese "anregend", nicht zuletzt weil sie Neueinspielungen hervorgebracht hat, in denen Bachs Musik, "was die Virtuosität des Satzes, die Durchhörbarkeit und die Verständlichkeit, aber auch das Verhältnis zwischen Stimmen und Instrumenten betrifft", eine neue Qualität erlangt.
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