Andrea del Fuego

Geschwister des Wassers

Roman
Cover: Geschwister des Wassers
Carl Hanser Verlag, München 2013
ISBN 9783446243316
Gebunden, 208 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Marianne Gareis. Eines Nachts schlägt der Blitz in das Haus der Familie Malaquias ein. Die Kinder Julia, Nico und Antonio schlafen friedlich weiter, doch ihre Eltern stehen nie wieder auf. Julia und Antonio kommen in ein Waisenhaus. Nico, der ältere Bruder, bleibt auf dem Land als Handlanger in einer Fazenda. Ihre Wege trennen sich, doch eine geheime Anziehungskraft treibt sie Jahre später zum Ort ihrer ersten Geborgenheit zurück, dem Haus in der Serra Morena. Noch einmal brechen die Geschwister zu neuen Ufern auf, in der Hoffnung in einem neuen Leben zusammenzukommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013

Rezensent Niklas Bender ist verzaubert. Einerseits von der haptischen Qualität der Sätze und Worte in Andrea del Fuegos Debütroman - wie in schweres Holz geschnitten. Andererseits von der Komplexität der Handlung, die das Schicksal von verwaisten Geschwisterkindern in der brasilieanischen Provinz erzählt und zwar mit Mitteln des magischen Realismus, aber auch mit viel Poesie. Hier genau liegt für Bender das Faszinierende des Buches - in der Neugestaltung einer alten Erzähltechnik durch die Autorin. Wie del Fuego das Magische mit dem Realistischen und dem Wunderbaren kurzschließt, etwa indem in der lakonischen Geschichte plötzlich jemand in der Kaffeekanne verschwindet oder eine andere Augenfarbe bekommt, findet Bender stark. Dass der Text schließlich recht hermetisch wird, allegorisch und utopisch, stört Bender nicht, denn Humor hat die Autorin auch.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2013

An Andrea del Fuegos in Portugal gefeiertem Debütroman gefällt Michaela Metz vor allem der kühle, doch hintergründige Sprachstil. In der autobiografisch gefärbten Familiengeschichte, in der es darum geht, wie sich familiäre Bindungen mit der Zeit auflösen, entdeckt Metz zwar auch Momente des magischen Realismus, Geisterwesen und Figuren, die im Kaffeesatz verschwinden. Doch wirkt die zu vermittelnde Veränderung während eines Menschenlebens auf sie am besten durch del Fuegos einfache Sätze und die Abgeklärtheit ihrer Sprache.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2013

Großes Lob erntet Andréa del Fuegos Romandebüt von Eberhard Geisler. Gleich als lebendigen, souveränen Ausweis der ganzen brasilianischen Gegenwartsliteratur möchte Geisler das schmale Buch verstanden wissen. Dies obgleich, nein gerade weil die Autorin nur peripher an den magischen Realismus anknüpft. Worum es del Fuego geht, formuliert Geisler mit Hinweis auf ihren Sinn für Dimensionen und Metamorphosen. Er empfiehlt uns, jede Seite aufmerksam zu lesen, da die Autorin die Sätze und die Geschichte sozusagen an der langen Leine lässt, wo sie dann überraschenderweise große Wachheit vermitteln und ständig neue Bilder einfangen. Auf die Art sowie durch die Perspektive dreier Heranwachsender, die über Nacht ihre Eltern verlieren und sich alleine durchschlagen müssen, gelingt es der Autorin, so Geisler, der Welt Poesie abzugewinnen. Für den Rezensenten literarischer Luxus.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.08.2013

Rezensent Jürgen Berger ist gefesselt, wie die brasilianische Journalistin und Filmproduzentin Andréa del Fuego in ihrem Romandebüt ganz en passant "surrealen Erzählmomenten die Aura eines physikalischen Faktums" verleiht, etwa wenn die Augen eines Kindes plötzlich und unerklärt schwarze Farbe annehmen. Das rückt die Autorin zwar sichtlich in die Nähe des magischen Realismus, doch gefällt dem Rezensent gerade, dass sie sich diesem nicht ergibt, sondern sich ganz im Gegenteil - wie er unter Zuhilfenahme eines Interviewzitats belegen kann - immer wieder zügelt, wenn zuviel Magie ins Geschehen einzufließen droht. So sind es immer nur wenige Millimeter, die del Fuegos Bilder von der Realität abweichen - und gerade darin liegt der Reiz dieser im übrigen auch hervorragend übersetzten Geschichte, so Berger.
Stichwörter