Die neuen Gedichte des Dichters Andre Rudolph handeln von der Sinnsuche in einer unsicher gewordenen Welt, in der der Kapitalismus noch einmal versucht, die letzten Reserven aus Natur, Mensch und Welt herauszupressen. Wo steht da der Einzelne? Wie kann er neu beginnen, wenn er schon gescheitert ist? Gibt es Frieden? Ist Liebe möglich? Schließen sich Armut und Glück aus oder bedingen sie sich erst? Immer balancieren die Gedichte zwischen ironischem Spiel, Zynismus, Witz und Menschenfreundlichkeit, springen von Wort zu Wort, hangeln sich an einzelnen Silben, bis sie neu aufgetrennt werden. Das Spiel ist kein Selbstzweck sondern Rettungsstrategie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2020
Rezensent Christian Metz empfiehlt Andre Rudolphs Gedichte, auch wenn der Autor ihn anschnauzt, distanzlos. Die Bildstärke des laut Metz in den Fußstapfen von Plath, Lowell und Sexton sich bewegenden Dichters findet er beeindruckend. Wenn Rudolph Metaphern zu Allegorien-Palästen ausbaut, nur um sie sodann einzureißen, den Zerfall zu feiern und den Leser in einem "Ideen- und Gefühlsschwall" zu ersäufen, setzt Metz sich dem gerne aus. Alles muss raus. Dieser Satz bekommt bei Rudolph für Metz eine unwiderstehliche Bedeutung, fühlt er die "drängenden notzustände . . . der seele, terrorisiert vom gedicht", um den Dichter zu zitieren.
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