Was in diesen Versen geschieht, ist unerhört: Beunruhigend, aufstörend schön und bisweilen komisch. Dazwischen immer wieder Mut zum dichterischen Risiko: Da gibt es Schmetterlingssägen und Buntmetallglück neben aufmerksamkeitsdefizitären Landschaften und eben Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit. Furiose Landschaftsbeschreibungen, Märchenzitate und Kirchenliedtraditionen werden mit der »Geistesgeschichte der Melancholie« vermengt. Ein neuer Sound hat sich in die deutsche Lyriklandschaft eingeschlichen, es küssen sich letzte Versatzstücke grausam schöner Natur mit den groben Werkzeugen der Wirklichkeitsbewältigung des Menschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2010
Walter Hinck hat sich mit Hingabe und analytischem Scharfblick den Gedichten von Andre Rudolphs Lyrikband gewidmet, an dem sich die "sprachliche Verdichtung innerer Bilder" präzise ablesen lässt, wie er meint. Aus Bildkernen entwickele der Lyriker außerordentlich farbige Assoziationsgeflechte, mit denen er sich mal der maschinenmäßigen Routine des Alltags, mal einem Stück DDR-Geschichte oder auch der "liebevoll umzäunten Anlage Kind" zuwende, erklärt der Rezensent. Von manchem Gedicht sieht sich Hinck gar zur Vollendung herausgefordert, was die Lektüre zusätzlich zu einem "produktiven Vergnügen" macht, wie er erfreut feststellt.
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