Amir Hassan Cheheltan

Der Zirkel der Literaturliebhaber

Roman
Cover: Der Zirkel der Literaturliebhaber
C.H. Beck Verlag, München 2020
ISBN 9783406750908
Gebunden, 252 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Jeden Donnerstag kamen in das Elternhaus Cheheltans acht Gäste, um mit den Eltern und später auch ihm selbst über Literatur zu sprechen. Sie sprachen vorzugsweise über die klassische persische Literatur, über Rumi, Hafis, Saadi, Ferdowsi und andere. Über Jahre hielten diese Treffen an und eröffneten einen Raum der Sprache, der Poesie, der Interpretation, was die großen Themen des Lebens und des Geistes anbelangt, verbanden die Teilnehmer, verstrickten sie aber auch miteinander, weil die Staatsmacht auch in ihren Zirkel reinregierte.
Denn in diesem Zeitraum seit den sechziger Jahren herrscht erst der Schah mit seinem Repressionsapparat und dem Geheimdienst SAVAK, bis die islamische Revolution von 1979 das Regime durch die Macht der Mullahs ersetzt. In seiner Erzählung kehrt Amir Hassan Cheheltan immer wieder zu dem Zirkel der Literaturliebhaber, den Gesprächen über die Poesie, der Rolle seiner Eltern, den Impulsen für die eigene Lektüre und der Wirkung der Literatur zurück. Denn diese ist älter, weiser, komischer, subversiver und sexuell weitaus freizügiger, als die offizielle Sittenlehre und die gesellschaftlichen Zwänge es dulden wollen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2020

Dass es sich bei diesem Buch des iranischen Autors Amir Hassan Cheheltan um einen Roman handelt, wie es der Verlag angibt, wagt Rezensentin Lena Bopp zu bezweifeln. Vielmehr liest sie einen Hybrid aus autobiografischen Passagen und fiktionalen Erinnerungen - dies allerdings mit großem Gewinn. Cheheltans Eltern organisierten einst einen literarischen Zirkel, weiß die Kritikerin, die sich gern von dem Autor mit auf einen Streifzug durch die persische Literatur und dessen Lektüreerlebnisse nehmen lässt. Allzu lange literaturhistorische Exkurse verzeiht Bopp gern, viel zu interessiert liest sie Cheheltans geradezu "obsessive" Auseinandersetzung mit homoerotischen, mitunter obszönen oder pornografischen Passagen. Von "Masturbation, Analverkehr, Liebe und Eifersucht" in der persischen Literatur berichtet ihr der Autor auch mit Blick auf den gesellschaftlichen Kontext. Angesichts der restriktiven iranischen Politik liest Bopp das Buch auch als "Abgesang" auf ein "vernichtetes Bürgertum".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.03.2020

Rezensent Ingo Arend schätzt den iranischen Schriftsteller Amir Cheheltan eh sehr, doch in dessen neuem Roman erblickt er nicht weniger als ein Denkmal für das "lebensprägende Faszinosum Literatur", wie Arend etwas geschwollen, aber in aufrichtiger Wertschätzung schreibt. Cheheltan erzählt mit dem "Zirkel der Literaturliebhaber" sozusagen seinen eigenen Bildungsroman, erfahren wir: Der junge Amir flüchtet aus der Welt der Mullahs und des Irakkriegs in die Sphären der Literatur, gibt sich aber nicht wie seine Eltern damit zufrieden, persische Poesie und Nationalepen hochzuhalten, sondern entwickelt, wie Arend berichtet, mit Julia Kristeva und Paul Ricoeur seine eigene emanzipierte Lesart. Dass Cheheltans literarisches Kammerspiel mitunter etwas literaturtheoretisch klingt, verzeiht der eingenommene Rezensent dem Autor gern.

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