Alonso Cueto

Die blaue Stunde

Roman
Cover: Die blaue Stunde
Berlin Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783827006721
Gebunden, 318 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Adrian Ormache hat alles, was man sich wünscht: Frau und Kinder, eine erfolgreiche Anwaltskanzlei, ein Haus in einem der besten Viertel von Lima. Doch dann stirbt seine Mutter. Auf der Beerdigung erfährt er, dass sein Vater in den achtziger Jahren, als der Leuchtende Pfad seinen Guerillakrieg gegen den Staat führte, eine Militärkaserne leitete - brutal und erbarmungslos. Doch in eine seiner Gefangenen verliebte er sich und lebte mit ihr in seinem Zimmer, statt sie, wie üblich, an seine Soldaten "weiterzureichen". Bis ihr eines Tages die Flucht gelang. Jahrelang hatte Adrians Mutter nach dem Tod des Vaters Schweigegeld an die Familie der "Geliebten" gezahlt. Adrian begibt sich nun auf die Suche nach der Unbekannten und verstrickt sich dabei immer tiefer in die Geschichte seines Vaters. Konfrontiert mit der Vergangenheit, werden seine Heimat und sogar sein eigenes Leben ihm zusehends fremd. Die blaue Stunde ist, in den Worten Cuetos, ein Märchen mit umgekehrten Vorzeichen: Es ist der Weg eines Mannes vom Licht in den Schatten, bis zu dem Augenblick, in dem sich Dunkelheit um ihn legt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2008

Anhaltenden Beifall erhält Alonso Cueto von Florian Borchmeyer für seinen ersten ins Deutsche übertragenen Roman. Cueto selbst hat seinen Roman als "verkehrtes Märchen" bezeichnet. Tatsächlich ist am Anfang der Geschichte scheinbar alles gut, und danach geht es nur noch abwärts. Der Protagonist, ein erfolgreicher Anwalt in Peru, entdeckt die dunkle Vergangenheit seines Vaters, eines Armeegenerals, Vergewaltigers und Mörders. Mit Bezug auf den Bürgerkrieg zwischen der peruanischen Regierung und der maoistischen Rebellenbewegung "Leuchtender Pfad" schildert Cueto, wie die heile Welt des Anwalts in sich zusammenbricht und in die "phantasmagorische Chronik eines Albtraums" verwandelt. Lob geht an den Autor für seinen Umgang mit den Bildern von Licht und Finsternis, und für die Fähigkeit, die Bruchlinien in der Persönlichkeit und der von dem großen Töten immer noch traumatisierten peruanischen Gesellschaft subtil sichtbar werden zu lassen. "Fulminant", meint Borchmeyer, und hofft auf Übertragungen wieterer Werke des Autors.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2007

Kersten Knipp scheint angetan von Alonso Cuetos Roman "Die blaue Stunde", der sich mit den blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Terrorgruppe Leuchtender Pfad und den staatlichen Truppen von Peru befasst. Im Mittelpunkt des Romans sieht er einen gut situierten Rechtsanwalt, der nach dem Tod seiner Eltern von den grausamen Machenschaften seines Vaters erfährt, der im Kampf gegen den Leuchtenden Pfad Frauen der indianischen Bevölkerung Perus unter dem Vorwand, diese unterstützten die Terroristen, entführen ließ, um sie sexuell auszubeuten, sich in eine dieser Frauen allerdings verliebte. Wie Knipp berichtet, begibt sich der Anwalt auf die Suche nach dieser Frau und findet sie schließlich auch. Die Begegnung mit ihr und die Gespräche, die die beiden führen, empfindet Knipp als eine "Reise ins Herz der Finsternis", in eine Zeit, die zahllose Menschen das Leben gekostet habe und an die inzwischen kaum einmal mehr die Erinnerung bestehe.
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