Über das Recht wüssten wir nur wenig, wenn uns nicht Experten darüber Auskunft gäben. Sonst bliebe es weitestgehend unerfindlich. Rechtliches Wissen ist eine Dienstleistung, die von juristischen Experten für den Staat oder für private Auftraggeber erbracht wird. Aber was garantiert, dass die juristische Expertise auch wirklich vom Recht handelt und nicht davon, was Auftraggeber oder Machthaber als Recht ausgeben möchten? Aus rechtspositivistischer Sicht liegt diese Garantie letztlich in der methodisch durchgeführten Bindung ans Gesetz. Die jüngere Naturrechtslehre hat sie um die faire Güterabwägung im Einzelfall ergänzt. Beide Vorschläge, so Somek, sind jedoch nicht überzeugend, denn der eigentliche Kern des Geltungsanspruchs rechtlichen Wissens liegt im Vermeiden von Diskriminierung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.09.2006
Der arme Rainer Maria Kiesow - da hat er voller Vorfreude 240 Seiten Rechtstheorie in Angriff genommen, in der Hoffnung, auf eine neue Theorie rechtlichen Wissens zu stoßen, da liest er ganz am Ende, in den "Nachweisen", das es sich hier einfach nur um einen Sammelband mit Studien des Autors Alexander Somek aus den vergangenen neun Jahren handelt. Doch schon beim Lesen war Kiesow klar geworden, dass eine neue Rechtstheorie hier nicht geboten wird. Einleitung und die sechs Folgekapitel stehen "zusammenhanglos" hintereinander. Kiesows Fazit: "Der Suhrkamp Verlag hat einen wunderbaren Titel im Programm. Das Buch dazu muss noch geschrieben werden."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2006
Beeindruckt scheint Rezensent Milos Vec von diesem theoretischem Werk des Rechtswissenschaftler Alexander Somek. Er attestiert dem Autor "Schärfe des Gedankens" sowie Souveränität in der Argumentation und würdigt ihn als "ganz eigenständigen Kopf". Das Werk bietet nach Ansicht Vecs eine "ausgewogene Mischung" aus den Selbstbeobachtungen Someks und Fallstudien, in denen er seine zuvor verkündeten Programmsätze einzulösen sucht. Teils in polemischen Ton kritisiere der Autor den zunehmenden Verzicht der Rechtswissenschaft auf Philosophie. Someks eigenes übergreifendes Projekt beschreibt Vec mit einem Buchtitel des Autors von 1996 als "nachpositivistisches Denken". Im Zentrum des Buches sieht er politiknahe Themen wie die juristischen Dogmatik des Diskriminierungsverbots oder die Konstruktion der Grundrechte. Methodenfragen und das Selbstverständnis der Akteure spielten dabei eine große Rolle. Vec hebt besonders die Passagen über das Diskriminierungsrecht hervor, ein Rechtsgebiet, das nach Somek anfällig für moralischen Intuitionismus und nachgiebig gegenüber angeblichen ökonomischen "Sachzwängen" sei.
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