Ob man nun an Geister glaubt oder nicht, sie begleiten uns unter zahllosen Namen und in vielerlei Gestalt, seit der erste Mensch sich seiner Sterblichkeit bewusst wurde. Aus der Hoffnung, dass ein Jenseits und neben der sichtbaren Welt eine unsichtbare existieren möge, wuchsen Religionen, Mythen, Märchen und Geschichten, die einander in ihren Grundzügen bemerkenswert ähnlich sind, selbst wenn sie aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Alexander Pechmann begibt sich in seinem von Paloma Tarrío Alves illustrierten Band auf die Spuren der Schriftsteller, die sich dem Reiz des Unheimlichen nicht entziehen konnten: Charles Dickens, Algernon Blackwood, Théophile Gautier, Thomas Mann, Henry James und viele mehr. Die Bibliothek der verlorenen Seelen nimmt uns mit in die Weltliteratur, die sich dem Gespenstischen verschrieb und die Geistergeschichte zur Kunstform erhob. Die mannigfaltigen Spukgestalten - von den Dämonen des Gilgamesch-Epos bis zu Gustav Meyrinks Golem - erweisen sich oft weniger als bloße Ausgeburten der Phantasie, denn als Verarbeitungen realer Begegnungen mit dem Unerklärlichen und Wunderbaren.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.06.2026
Eine amüsante, unbedingt lesenswerte Systematisierung der internationalen Schauerliteratur legt Alexander Pechmann laut Rezensent Peter Urban-Halle hier vor. Pechmann geht von den grundlegenden Eigenschaften einer literarischen Gattung aus, die uns Angst einjagt, aber auch Trost spendet. Später unternimmt der Autor dann einen Durchgang durch die Klassiker der Schauerliteratur, von Gilgamesch über Orientalisches wie die "Erzählungen von Tausendundeiner Nacht" bis zu Poe und Lovecraft. Das alles liest Urban-Halle mit Interesse, lediglich die Passagen zum 20. Jahrhundert wollen ihm nicht recht munden, da sie sich in Aufzählerei verlieren. Aber das bleibt ein kleiner Einwand, insgesamt fällt die Besprechung ausnehmend positiv aus, insbesondere da der Autor unterhaltsam schreibt und Gespenster auch da ernst nimmt, wo er nicht an sie glaubt.
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