Ahmadou Kourouma

Monne. Schmach und Ärger

Roman
Cover: Monne. Schmach und Ärger
Diaphanes Verlag, Zürich 2013
ISBN 9783037343234
Gebunden, 332 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Vera Gärttling. Mit Hexerei, islamischen Gebeten, exzessiven Opfergaben und dem Bau eines mas­siven Schutzwalls will König Djigui Keita sein vollendetes Reich vor den vorrückenden französischen Eroberern schützen. Doch eines Tages steht plötzlich eine französische Kolonne vor ihm, die völlig unbehelligt über den verzauberten Hügel geritten kam und nun freundlich grüßt. Der intrigante Übersetzer, den die Franzosen mitbringen, gehört zu allem Überfluss zum Clan der Soumaré und ist für Djigui unantastbar. So nimmt die Kolonisierung - das größte monnè, die größte Schmach aller Zeiten - ungehindert ihren Lauf. Der Roman erzählt die Geschichte der französischen Kolonisierung Westafrikas als eine Geschichte der Missverständnisse. Voll beißender Ironie und mit unerschöpfli­chem Sprachwitz wagt dieses Buch den anderen Blick auf die afrikanisch­-europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und berührt grundsätzliche Fragen der Verständigung, der kulturellen Unterschiede und nicht zuletzt der fortwirkenden Stereotype.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2014

Als lohnende Herausforderung begreift Niklas Bender die Lektüre der Bücher des von der Elfenbeinküste stammenden, 2003 in Lyon verstorbenen Ahmadou Kourouma, dessen Klassikerstatus er prophezeit. Randvoll mit Zeitgeschichte bietet ihm Kouroumas nun vorliegender zweiter Roman in schöner Verbindung aus Politik und Literatur eine Geschichte aus einem fiktiven Königreich im Norden der Elfenbeinküste, das von den Franzosen kolonisiert wird. Wie der Autor die Knechtschaft detailliert darstellt und scharf kritisiert, ebenso wie die Trägheit und Bigotterie der Knechte, hat Bender beeindruckt. Der Zauber der alten Welt wirkt für Bender im Text dennoch nach, nicht zuletzt in Kouroumas teils an die Tradition des Geschichtenerzählers anknüpfende, teils moderne Erzählweise.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2013

Dieser Mann, der sich gegen die Eliten positionierende Aufklärer Ahmadou Kourouma, gehört ins Curriculum der Schulen, fordert Uwe Stolzmann, umso mehr, als wir dieses Buch erst jetzt - über 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung und zehn Jahre nach dem Tod des Autors - auf Deutsch in Händen halten. Auch deshalb stellt der Rezensent den Autor und dessen Lebenslauf überhaupt erst einmal näher vor, bevor er auf das eigentliche Werk zu sprechen kommt. Dieses befasse sich anhand eines fiktiven afrikanischen Landes, das am Ende als Stellvertreterin Afrikas pars pro toto anzusehen sei, auf sehr eindringliche, geradezu "brillante" Weise mit der Kolonialgeschichte des Kontinents, dies aber nicht auf emphatische, identifikatorische Weise, sondern - zur Begeisterung des Rezensenten - gerade durch Distanzierung, etwa schon dadurch, dass es keine stabile Erzähler-Instanz und im übrigen auch keine wirklichen Protagonisten gibt, wie Stolzmann ausführt. Dabei gerät das große Ganze in den Blick: Dieser Roman ist "wie ein monumentales Rundgemälde, plastisch, perspektivisch" und untergräbt dabei im französischen Original sogar noch die Sprache der Kolonialherren, indem Kourouma sie nach seiner Muttersprache Malinke klingen und riechen lässt, so Stolzmann im höchsten literarischen Glück.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.04.2013

Mit zugewandter Verwunderung nimmt Rezensentin Sabine Vogel zur Kenntnis, dass dieser bereits 1990 erstveröffentlicher Roman des 2003 verstorbenen afrikanischen Autors Ahmandou Kourouma im sonst für Philosophie und Theorie bekannten Diaphanes Verlag neu verlegt wird: Zeichnet sich hier etwa eine neue Lesart dieser "metaphernreich singenden Sprache" ab? An dieser jedenfalls hat die Rezensentin offensichtlich viel Vergnügen, beschreibt sie deren hybride und offenbar sehr sinnenfreudige Vielschichtigkeit doch selbst mit langem Atem. Genauso interessant findet sie das Thema: die Schilderung des Einbruchs der westlichen Zivilisation in den afrikanischen Kontinent gegen Ende des 19. Jahrhundert. Kourouma vermittelt ihr viel von der historischen Demütigung Afrikas. Vielleicht liegt gerade darin der Grund für den ungewöhnlichen Publikationsort, so Vogel: Gut unterfütterte Zivilisationskritik - und zumal eine so beeindruckende wie die Kouroumas - ist wieder gefragt.